Kein Abstand zwischen Himmel und Erde

Weihnachten 2020 – ganz anders in der Friedensgemeinde.

So viel Weihnachten war nie, oder mit anderen Worten: Nie zuvor sind wir in den letzten Jahren dem Kern des Weihnachtsevangeliums so nah gekommen wie in diesem verrückten Jahr. Ein Rückblick in Bildern auf die Adventswochen und die Weihnachtsgottesdienste „unterwegs“ in Handschuhsheim. Mit Auszügen aus der Weihnachtspredigt von Pfarrerin Martina Steinbrecher.

Hoffnungshorizonte – Adventsinstallationen

Das Gewohnte verlassen mussten wir in vielerlei Hinsicht, neue Wege gehen auf unbekanntem Terrain, unvorbereitet und ungeübt, so wie Maria und Josef ihr schnuckeliges Dorf Nazareth verlassen haben, in dem sie jeden Stein und jeden Baum und jede Blume kannten und das Ach unter jedem Dach und das Glück hinter jedem Zaun und all das Gerede. Das Gewohnte verlassen ausgerechnet zu Weihnachten, das wie kein anderes Fest vom Ritual lebt, von der wundersamen Wiederkehr des Immergleichen, die sich seit Kindertagen eingespielt hat und in die man sich zuweilen fallen lassen konnte wie in ein warmes Nest. Die Vertreibung aus dem Weihnachtsparadies ist ungemütlich. Sie hat uns hierher geführt statt in eine wohlig überfüllte Kirche, und dann auch noch bei Wind und Schmuddelwetter. Vielleicht birgt der Verlust aber auch einen Gewinn.

Neue Wege bringen plötzlich neue Perspektiven, neue Aussichten. So wie hier: Weihnachten unter freiem Himmel. Da gehört es hin. Denn Weihnachten fängt nicht in den Wohnzimmern der Bürgerinnen und Bürger von Bethlehem an, sondern draußen auf dem Feld bei den Hirten, droben auf dem Heiligenberg, draußen am Rand im Gewerbegebiet, draußen im Park. Nur hier kann man den Himmel sehen und spüren oder ahnen hinter all den Wolken. Nur hier reißt der Himmel auf wie in jener ersten Christnacht. Auch für dich.

Heiligabend unterwegs in Handschuhsheim

Ein Freund schreibt mir auf seiner Weihnachtskarte: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude: Das bisher für Begegnungen zwischen Himmel und Erde geltende Abstandsgebot ist ein für alle Mal aufgehoben. Denn euch ist heute der Heiland geboren!

Kein Abstand mehr zwischen Himmel und Erde! Gott wird Mensch: Ein Mensch, der keine Berührungsängste kennt, der sich an einen Tisch setzt mit Zöllnern und Sündern und Nichtsnutzen, mit Huren und ja, auch das, mit Aussätzigen. Gott überwindet die Abstandsgebote, die in vielen Fällen auch heute noch Anstandsgebote sind. Er sucht die Nähe zu den Menschen. Und zwar zu jedem, zu jeder einzelnen. Egal, was du oder sie oder er oder einer, der hier niemals auftauchen Würde an Lebenspäckchen geschultert hat, Gott geht hin, schenkt Berührung, Tischgemeinschaft, Heilung, Nähe.

Und nun werden auch Sie zum Weihnachtsengel, egal als wer Sie gekommen sind: Im Herzen Hirt oder König, groß oder klein, Traurig oder froh: Verbreiten Sie diese Botschaft, wann und wo immer Sie Gelegenheit dazu haben: Sagen Sie es sich und anderen immer wieder: Fürchtet euch nicht! Und noch einmal: Nicht, weil es nichts zum Fürchten gäbe, sondern weil der Heiland geboren ist.

Weihnacht.Anders.Schön

Von Pfarrer Dr. Gunnar Garleff

Weihnachten 2020 in der Friedenskirche

Nun ist es geschafft.
Heiligabend ist vorüber.
Ganz anders.
Anders schön.

Gottesdienste mit Lichtermeer.
Menschen auf Abstand.
Keine fröhlichen Weihnachtswünsche.
Keine Umarmungen.
Aber durch eure Masken konnte man das Lächeln sehen.
Weihnachten anders schön.
Weihnachten dort, wo man es nicht erwartet.

Es ist doch eigentümlich:
In normalen Jahren feiern wir in herausgeschmückten Kirchen,
alles muss heimelig sein mit Kerzenschein und Baum.
Das Gotteskind kommt in einer Hochglanzwelt zur Welt.
Und jetzt: Lockdown, Corona, Pandemie, Virusangst.

Und wir feiern dort,
wo Nahrung wächst – in einer Gärtnerei,
wo Kinder lernen – in einer Schule,
wo die Mauern längst verfallen sind – in einer Klosterruine,
wo Menschen spazieren, spielen – im Park
oder einfach dort, wo wir sonst einkaufen – auf dem Parkplatz eines Supermarktes.

Gott kommt mitten in das Leben der Menschen.
Auch im Lockdown,
auch in der Pandemie,
seine Geburt ereignet sich in einem Stall,
auf einem Hirtenfeld,
dort wo Menschen das Gotteskind brauchen.

Dieses Weihnachten war anders schön.
Am Abend gehe ich für zwanzig Minuten in unsere Kirche.
Celloklänge – Moment der Stille,
durchatmen, bedenken, was trägt.

Ein paar andere sind auf Abstand auch da.
Für einen Moment denke, schön ist es – so ganz anders.
Und Danke.
Danke, dass wir es doch gewagt haben,
danke an die vielen Helfenden,
die Hütchen gelegt haben,
Technik aufgebaut haben,
musiziert haben,
Kollekte gesammelt haben,
Listen geführt haben.
Ohne euch wäre dieses Weihnachten nicht möglich gewesen.
Danke, an unser Pfarrteam,
für all die Ideen,
für die Freude und die Geduld,
immer wieder neu zu überlegen,
zu optimieren,

Danke für die TütenpackerInnen
und die vielen AusträgerInnen.
Ihr ahnt gar nicht, wie glücklich ihr viele Menschen mit eurer Mithilfe gemacht habt.
Gott vertraut sein Kind den Menschen an,
und ihr habt die Freude des Kindes
und sein Licht zu vielen gebracht.

Und zuletzt: Danke an die vielen,
die uns schon in den letzten Tagen und Wochen von ihrer Freude erzählt haben,
weil sie ein Video, ein Brief, eine Tüte gefunden haben,
weil sie einen Moment der Achtsamkeit und der Weihnachtsfreude erfahren haben.
Für diese Freudenmomente geschieht Weihnachten.
Immer wieder anders schön!

Weihnachten.Anders.Schön

Heiligabend 2020 wird anders. Das ist seit Wochen offensichtlich. Es wird keine großen Gottesdienste mit Krippenspielen und der traditionellen Christvesper geben. Stattdessen wird es mehrere kleine Formate geben und diese werden auch unter freiem Himmel nur mit einer kleinen Anzahl von Menschen durchführbar sein. Wir müssen aber auch damit rechnen, dass die Infektionslage sich noch weiter zuspitzt und es deshalb gar keine live-Gottesdienste an Heiligabend geben wird. Diese Möglichkeit kann eventuell auch noch sehr kurzfristig eintreten.

Wir bitten, sich vorab gründlich zu überlegen, ob der Besuch des Präsenzgottesdienstes persönlich dringlich ist. Alle Gottesdienste aus der Kirche werden live per Zoom übertragen und stehen als Aufzeichnung im Anschluss auf Youtube zur Verfügung.

Damit Gottesdienstbesucher*innen im Vorfeld wissen, was sie erwartet, haben wir einige wichtige und häufig gestellte Fragen (FAQ) rund um die Gottesdienste an Heiligabend im Folgenden zusammengestellt und beantwortet. Änderungen erfahren Sie aktuell auf unserer Homepage und auch in unserem Newsletter, für den Sie sich hier anmelden können.
Für die Gottesdienste an den Feiertagen gelten die üblichen Regelungen.

FAQ

Wo finden Open-Air-Gottesdienste statt?

Am 24.12.20 plant die Friedensgemeinde insgesamt fünf OpenAir-Gottesdienste:
14:00 Uhr: Gärtnerei Stockert (Kapazität: max. 80 Personen aus max. 40 Haushalten)
15:00 Uhr: Michaelsbasilika (Kapazität: max. 70 Personen aus max. 35 Haushalten)
16:00 Uhr: Heiligenbergschule (Kapazität: max. 200 Personen aus max. 100 Haushalten)
17:00 Uhr: REWE-Parkplatz (Kapazität: max. 200 Personen aus max. 100 Haushalten)
18:00 Uhr: Grahampark (Kapazität: max. 200 Personen aus max. 100 Haushalten)
23:30 Uhr: Christmette in der Friedenskirche (Kapazität: 90 Personen) – Live-Übertragung auch per Zoom
Für alle Gottesdienst eine Anmeldung verpflichtend. Sie können sich hier online anmelden.

Muss ich mich vorab für einen Gottesdienst anmelden?

Ja, eine Anmeldung ist nötig. Die Anmeldung ist möglich ab Montag, 21. Dezember, und zwar direkt hier online oder per Telefon (Mo – Mi von 9 Uhr bis 12 Uhr unter 06221-6560236).

Wann ist Einlass?

Einlass ist jeweils ab 20 Minuten vor Beginn eines Gottesdienstes möglich. Nach Gottesdienstbeginn kann kein Einlass mehr gewährt werden.

Was findet in der Friedenskirche statt?

Die Friedenskirche wird von 14 bis 22:45 Uhr für Besucher*innen geöffnet sein. Der Raum ist mit Krippe, Weihnachtsbaum und Kerzen festlich geschmückt. Während dieser Zeit wird für unsere Gäste in regelmäßigen Abständen die Weihnachtsgeschichte vorgelesen, Vokalsolist*innen singen Weihnachtslieder, es erklingt Kammer- und Orgelmusik. Maximal 30 Personen können sich gleichzeitig in der Kirche aufhalten. Auch hierfür gilt das Schutzkonzept Gottesdienst. Die Kontaktdaten der Besucher*innen müssen erhoben werden. Bitte nutzen Sie dafür das Kontaktdatenformular.

Welche Angebote gibt es für Kinder und Familien?

Alle Freiluftgottesdienste werden so gestaltet sein, dass sie eine kinderfreundliche Verkündigung inklusive Krippenspielszene enthalten.

Familien können sich ab 21.12.20 in der Friedenskirche eine „Weihnachten-zuhause-Tüte“ abholen. Diese Tüte enthält Weihnachtslieder, eine kleine Liturgie für den Heiligabend und eine Überraschung.

Welche Hygienebestimmungen gelten?

Bei allen Veranstaltungen (drinnen und draußen) gilt uneingeschränkte Maskenpflicht.
Unter den Hausgemeinschaften sind stets 2m Abstand einzuhalten. Bei den OpenAir-Gottesdiensten werden die Stehplätze durch Hütchen markiert. Pro Hütchen dürfen jeweils 2 Personen aus einer Hausgemeinschaft stehen.
Die Kontaktdaten aller Besucher*innen werden mit der Online-Anmeldung erfasst und für vier Wochen aufbewahrt.

Ich habe Krankheitssymptome, kann ich am Gottesdienst teilnehmen?

Nein. Bei Erkältungssymptomen bleiben Sie bitte zu Hause und schützen sich und andere.

Was passiert, wenn die Kapazitätsgrenzen einer Veranstaltung erreicht sind?

Wenn die maximale Personenzahl erreicht ist, gibt es keinen Einlass mehr. Ausnahmen können nicht gewährt werden. Den Anweisungen der zum Ordnungsdienst eingeteilten Personen ist unbedingt Folge zu leisten.

Ein Teil meiner Familie ist schon auf dem Gelände, ich selbst komme aber später?

Bitte haben Sie Verständnis, dass in diesem Fall kein Einlass gewährt werden kann. Bitte kommen Sie entsprechend ihrer angemeldeten Zahl gleichzeitig.

Was passiert, wenn die 7-Tage-Inszidenz auf über 300 steigt?

In diesem Fall finden keine Präsenzgottesdienste (auch nicht im Freien) statt. Das gilt auch für Heiligabend.

Gibt es alternative Angebote der Friedensgemeinde für zuhause?

Ja. Am 24.12.2020 wird in Kooperation mit den Heidelberger Gemeinden ein Online-Gottesdienst auf unserer Homepage abrufbar sein. Die Musik dazu wurde in der Friedenskirche aufgenommen.
Die Christmette um 23:30 Uhr übertragen wir per Zoom. Ebenso werden die Gottesdienste an den Feiertagen per Zoom zu übertragen.
Für die Andacht im Familienkreis gibt es entsprechende Weihnachten-zuhause-Tüten ab dem 21.12.2020 nachmittags zur Abholung in der Friedenskirche.
Für alleinstehende ältere Menschen werden Geschenketüten gepackt und in den Tagen vor Weihnachten in die Häuser verteilt.

Warum können Regelungen eventuell vom rechtlich Möglichen abweichen?

Als Friedensgemeinde schätzen wir die staatlich garantierte Religionsfreiheit und die Möglichkeit, Gottesdienste zu feiern. Wer Freiheiten in Anspruch nimmt, übernimmt aber auch Verantwortung für den Verzicht auf diese. Die konkreten Regelungen sind so gestaltet, dass sie für die ehrenamtlich Helfenden umsetzbar sind und dass sie Infektionspotentiale minimieren.

Weihnachten zuhause

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Wer als Familie das Weihnachtsfest unter diesen Bedingungen lieber zuhause feiern möchte, findet in der Friedenskirche ab 21. Dezember eine von 100 Tüten mit einer kurzen Hausliturgie, Liedern und Geschichten und einer Überraschung für eine weihnachtliche Gemeinschaftsaktion zuhause. Die Tüten dürfen kostenlos mitgenommen werden.

Uns bekannten Gemeindemitgliedern, die das Weihnachtsfest nicht im Familienkreis feiern können, sondern am Heiligabend womöglich allein zuhause sind, bringen wir in diesem Jahr „Weihnachten in der Tüte“ an die Haustür. Die Tüten wurden von Konfirmand*innen liebevoll gestaltet und von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen sorgsam mit kleinen Schätzen bestückt. Wer beim Austragen der ca. 250 Tüten ab 22.12. helfen möchte, kann sich gerne noch im Pfarramt melden.

Sinn erleben, trotz allem

Resilienz: Eine Kraft in der Krise

Von Wolfgang Krüger

Seit einigen Jahrzehnten beschäftigen sich Psychologen mit einer wichtigen Frage: Wie kommt es, dass einige Menschen Krisen halbwegs unbeschadet überstehen oder daran sogar wachsen, während andere daran zerbrechen? Dies ist das Gebiet der so genannten Resilienzforschung. Sie beschreibt die psychische Widerstandskraft eines Menschen. Sechs entscheidende Faktoren beeinflussen unsere Resilienz:

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1. Schwierig ist es, wenn Menschen eine Krise – wie Corona – nur als Einschränkung sehen können und sich als Opfer fühlen. Denn tatsächlich: Alle Krisen sind auch eine Chance. Corona kann beispielsweise dazu führen, dass man mehr liest, Lebensprojekte realisiert, mehr zu sich kommt und den inneren Dialog pflegt.

2. Alle Krisen lassen sich leichter verkraften, wenn ich einen Sinn im Leben sehe. Es muss etwas geben, was größer ist als ich. Das hat der Begründer der Logotherapie, Viktor E. Frankl, im Konzentrationslager erlebt. Er beobachtete, dass vor allem die Kommunisten und die Religiösen überlebten, die sich nicht als Opfer von irrationalen Mächten empfunden haben.

3. Philosophen sind der Meinung, man könne Krisen nur mit Geduld überwinden. Geduld sei der eigentliche Prüfstein dafür, ob sich ein Mensch wirklich entwickelt hat. Das gilt vor allem in Krisen, die länger dauern als einige Monate. Dann sehen wir nämlich nicht mehr das Licht am Ende des Tunnels und müssen mit inneren Ängsten ringen, von denen wir überfallen werden.

4. Bei Krisen ist es wichtig, dass wir zusammenhalten und eine enge Bindung zu anderen Menschen spüren. Sigmund Freund war der Meinung, dass die Liebe dann die stärkste Antwort sei. Aber es können auch Freundschaften sein, die uns das Gefühl geben, im Leben nicht allein zu sein. Also Herzensfreundschaften, bei denen wir eine enge Verbundenheit mit anderen Menschen empfinden.

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5. Krisen können wir bewältigen, wenn wir demütig sind. In unserem heutigen Leben haben wir oft eine gewisse Überheblichkeit. Wir leben, als ob wir alles bestimmen könnten. Die Naturwissenschaft triumphiert, oftmals glaubt man, sich mit Geld alles kaufen zu können. Doch Corona zeigt uns, wie ohnmächtig wir sind. Und die Klimakatastrophe macht deutlich, welche Folgen es hat, wenn wir die grundlegenden Regeln der Natur missachten. Insofern können Krisen auch dazu führen, dass wir nachdenklich werden und jene Bescheidenheit erwerben, die von einer wirklichen inneren Größe getragen ist.

6. Krisen zeigen uns, was wichtig ist. Corona macht deutlich, wie schnell ein Leben enden kann und wie einzigartig und bedeutsam unser Dasein ist. Insofern ist Corona für uns eine Mahnung, uns von einem zu oberflächlichen Leben zu verabschieden und jeden Abend dafür dankbar zu sein, dass wir diesen Tag erleben durften. Dankbarkeit ist eine der stärksten Kräfte der Resilienz. Sie führt dazu, dass wir das Selbstmitleid überwinden, das leicht bei Krisen auftritt. Ich sehe dann nur noch mich und meine Einschränkungen und verliere das Gefühl dafür, wie gut es mir gelegentlich geht. Dankbarkeit dagegen lenkt den Blick auf das, was mir geschenkt ist und was – in allen Schwierigkeiten – doch gelingt.

Dr. Wolfgang Krüger ist Psychotherapeut in Berlin und Autor zahlreicher Bücher, unter anderem „So gelingt die Liebe“ und „Die Geheimnisse der Großeltern“.

Gemeinschaft bewahren – Digitales entwickeln

Ältestenkreis entwirft Zukunftsbild der Friedensgemeinde

Im Januar wurde der neugewählte Ältestenkreis in sein Amt eingeführt. Jedes Mitglied brachte eigene Ideen in das Leitungsgremium der Friedensgemeinde mit, doch die Corona-Krise sorgte zunächst dafür, dass in Online-Sitzungen vorrangig das Gemeindeleben unter Pandemiebedingungen gestaltet und organisiert werden musste. Für ein gemeinsames Kennenlernen, für den Austausch von Ideen, Visionen, Träumen und persönlichen Zielen im Amt blieb wenig Zeit. Um so schöner war es, dass am dritten Oktoberwochenende die lange geplante Ältestenklausur in Rastatt stattfinden konnte.

Zwei Tage lang nahmen sich die 15 gewählten Ältesten mit Pfarrerin Martina Steinbrecher und Pfarrer Gunnar Garleff Zeit, um sich über ihre Kirchenbilder auszutauschen. Verschiedenste Perspektiven wurden eingenommen, denn Kirche lebt aus der Vielfalt der Menschen. Und diese Vielfalt spiegelt sich auch im Ältestenkreis wider. Nach einem biographischen Einstieg mit Blick auf die eigene kirchliche Sozialisation und einem paarweisen Austausch auf einem Spaziergang, wurde das Erlebte und Gehörte in vier Kirchenbildern kreativ umgesetzt.

Kunstwerke regten zur Deutung an.

Ein weiterer Arbeitsschritt war die Betrachtung von gesellschaftlichen Erwartungshaltungen an Kirche. Einige Gruppen wurden exemplarisch untersucht: die Senioren, die Obdachlosen, die (kirchlich) Unerreichten und Erwartungslosen, die Lokalpolitik, die Suchenden, die Gottesdienstbesucher, die Mitglieder anderer Religionen. Die Leitfragen: Welche Gruppen erwarten/beeinflussen die Kirche? Was sind die Erwartungen und Anforderung der einzelnen Gruppen an Kirche?

Da Kirche nicht nur von den Erwartungen der Gesellschaft geprägt ist, sondern auch in ihrer eigenen biblisch-theologischen Tradition gründet, lenkte Pfarrer Gunnar Garleff in einem kurzen Referat den Blick auf die biblischen Kirchenbilder und die aktuellen kirchlichen Strukturdebatten. Anschließend wurde das Gehörte von den Ältesten intensiv diskutiert.

War der erste Tag eher allgemein von der Schärfung des eigenen Bildes der Kirche in der Gesellschaft geprägt, so fokussierte sich der Ältestenkreis am zweiten Tag auf die Friedensgemeinde. Die Wahrnehmung dessen, was im Kontext der Friedensgemeinde stattfindet und wie viele Menschen in unterschiedlichen Arbeitsbereichen und Vernetzungen die Gemeinde gestalten, erstaunt immer wieder. Da aber auch der neugewählte Ältestenkreis nicht angetreten ist, um das Bestehende nur zu verwalten, sondern auch Zukünftiges auf den Weg zu bringen, wurde er noch einmal kreativ. Im Mittelpunkt der Gespräche stand dabei immer wieder die Frage der Digitalisierung und der Öffnung der Gemeinde hin zur Stadtteilbevölkerung.

Am Ende der vielen Gesprächsrunden war sich das Gremium einig, dass die v.a. auch in der Corona-Zeit entwickelten digitalen Angebote und Kommunikationswege weiterentwickelt werden müssen, dass sie aber immer nur eine Ergänzung zu den analogen, präsentischen Formen des Gemeindelebens sein können. Letztere wiederum sollen sich vermehrt auch außerhalb der Kirchenmauern finden lassen. Die Friedensgemeinde der Zukunft wird sich auf dem Weg zu den Menschen manchen und die Friedenskirche als sicheren Hafen nutzen.

Derartige Klausurtagungen münden meist in Do Listen voller Ziele, die spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminiert sind (SMART). Deren Formulierung geht meist leicht über die Lippen und führt schnell zu einem Zwang, die eigene Arbeit an den Zielen zu messen. In Rastatt verzichtete der Ältestenkreis auf derartig Zielformulierungen, vielmehr standen am Ende eine geschärftes Bild einer offenen, kooperativen und digitaler werdenden Friedensgemeinde, die in der Lage ist, die jeweiligen Herausforderungen der Gegenwart kreativ zu gestalten und dabei ihre bewährten Arbeitsfelder stärken wird.

Kreativität und Geist dieser Ältestenklausur finden Sie hier eingefangen in einem Video: