Hervorgehoben

Helga Schneider-Weil in den Ruhestand verabschiedet

Am 30. Juli wurde Helga Schneider-Weil in den Ruhestand verabschiedet. Nach mehr als drei Jahrzehnten übergibt sie die Leitung an Jennifer Nicholls. Hier die Würdigung von Pfarrer Gunnar Garleff, gesprochen bei der offiziellen Entpflichtung im Gottesdienst am 25. Juli 2021:

Liebe Helga Schneider-Weil,
es ist jetzt 33 Jahre her, dass Sie in der Friedensgemeinde die Aufgabe als Leiterin des Kindergartens in der Tischbeinstraße übernommen haben. Soweit ich weiß sind sie damit die dienstälteste Mitarbeiterin in der Friedensgemeinde und wenn man die 2 Jahre mitrechnet, die sie zuvor als Erzieherin in der Gemeinde gearbeitet haben, dann zeugen 35 Jahre von viel Ausdauer, Beständigkeit und großer Verbundenheit.

Als wir vor ein paar Wochen über diese lange Zeit gesprochen haben, da sagten Sie: „Ich wollte immer in einer kirchlichen Einrichtung arbeiten.“ Das verwundert nicht, denn Sie sind ja seit Jugendtagen kirchlich verbunden und wenn ich das recht sehe, ist die sog. „Cellergruppe“ aus der kirchlichen Jugendarbeit entstanden.

Ihre Ausdauer und Beständigkeit nun zeigt sich ganz besonders in der Art und Qualität Ihrer Arbeit als Erzieherin und Leiterin des Kindergartens. Sie sind keine, die in den Mittelpunkt drängt oder die gar viel Aufhebens um auftauchende Probleme macht. Sie führen das Team mit Ruhe, Gelassenheit, immer gibt es eine Lösung und immer werden die Dinge geräuschlos aber zupackend angegangen.

Und so erfahren die Kinder jeden Tag neu Geborgenheit, teilen das Staunen über die kleinen Dinge, erobern sich Räume zum Ausprobieren: Ob beim sog. „Polstern“ – als dem Spiel und Bauen mit den weichen Bauklötzen, beim rekordverdächtigen Türme bauen oder beim Spiel im Garten. Sie begleiten die Kinder im Entdecken der Welt und von Gottes Schöpfung, nicht ohne dabei eine aufmerksame Zuhörerin und Beobachterin zu sein und immer auch im Gespräch die Fragen der Kinder zu ergründen.

„Wenn du ein Kind siehst, dann hast Gott auf frischer Tat ertappt.“, soll Martin Luther einmal in einer seiner Tischreden gesagt haben. Sie, liebe Frau Schneider-Weil, haben Gott ganz schön ordentlich bei seinem Tun und Wirken zugeschaut und zugleich immer wieder von ihm erzählt, Spuren zu ihm hin gelegt.

Im evangelischen Kindergarten ist Religion und Glaube, ist das Vertrauen und die Freude Gottes immer gegenwärtig. Und von dieser Freude haben sie immer wieder kundgetan. Legendär finde ich sind dabei die jährlichen Anspiele beim Sommerfest und im Weihnachtsgottesdienst. In liebevoll gestalteten und mit den Kindern gebastelten Kostümen wurden allerhand biblische Motive kindgerecht aufgenommen und dargestellt. Und immer konnten Eltern staunen über die Kinder und ihre Talente.

Nun, liebe Frau Schneider-Weil reichen Sie den Stab weiter, morgen beginnen Sie mit der Staffelübergabe an Jennifer Nicholls und dann kommt der Ruhestand. Aber ob es wirklich ein Ruhestand wird, daran habe ich doch meine Zweifel, denn sie haben ja ihre Projekte und auch der Kirche bleiben Sie erhalten als Referentin für das evangelische Profil in den Kindertagesstätten und hoffentlich auch im Team für den Weltgebetstag.

Heute aber sage ich Danke! Im Namen des Ältestenkreises und der Evangelischen Kirche in Heidelberg für all ihren Dienst und ganz persönlich für die schöne Zusammenarbeit, für den einen oder anderen Rat, für das manchmal auch offene Ohr und für die immer wieder geübte Spontaneität im Suchen von Andachtsutensilien und nicht zuletzt für die „Dauerleihgabe“ des Goldenen Tuches.

Nun als ist die Zeit gekommen, Abschied von den Aufgaben einer Kindergartenleiterin zu nehmen. Gott hilft uns, anzunehmen und loszulassen. Gott trägt uns durch den Abschied hindurch.

Impressionen von der Verabschiedung im Kindergarten (Fotos: Martina Steinbrecher)

Impressionen von der Fahrt in den Ruhestand

Nach der kurzweiligen Verabschiedung im Garten der Tischbeinstraße begleiteten Kinder, Familie und viele Weggefährten und Freund*innen Helga Schneider-Weil auf der Fahrt in den Ruhestand durch Hendesse. (Fotos Juliane Betz, Dorothea Spahn-Lanziner)

Von Handschuhsheim ins Radio

Abschied von Pfarrerin Martina Steinbrecher

Eine gehörige Portion Wehmut war mit dabei, als die Friedensgemeinde sowie Freund*innen und Wegbegleiter*innen sich am Sonntag (4. Juli) von ihrer Pfarrerin Martina Steinbrecher verabschiedeten. Fast auf den Tag genau vor sechs Jahren hatte sie in der Friedensgemeinde angefangen, hatte mit ihrer Nähe zu den Menschen, mit kreativer Experimentierlust und eindrücklichen Predigtworten schnell die Herzen der Menschen erobert.

Jetzt ist sie von der badischen Landeskirche zur Rundfunkpfarrerin berufen worden. In einem festlichen Gottesdienst wurde Martina Steinbrecher von Dekan Christof Ellsiepen von ihrem Amt in der Gemeinde entpflichtet. Mit der Friedensgemeinde-Rikscha ging es dann in den Handschuhsheimer Grahampark. Und dort gab’s unter sommerlichem freiem Himmel genug Anlass für das sprichwörtliche lachende und das tränende Auge.

Wer Handschuhsheim freiwillig verlässt, muss ein bisschen verrückt sein, sagte Martina Steinbrecher. Und: „Ich bin ein bisschen verrückt.“

Bilder des Tages hier in der Galerie.

Martina Steinbrecher wird Rundfunkpfarrerin

Garleff, Gunnar: Herzlichen Glückwunsch zur neuen Stelle? Was reizt dich an ihr und was genau werden deine Aufgaben sein?

Steinbrecher, Martina: Nach über zwanzig Jahren als im Gemeindepfarramt reizt es mich, mich auf eine Sache konzentrieren zu können. Und dass diese Sache die zeitgemäße Verkündigung der guten Nachricht von Gott in Jesus Christus ist, habe ich natürlich mit Bedacht gewählt. Ich lese viel und schreibe gerne Texte, ich predige gern, spiele mit Wörtern und nehme das Wort ernst. Meine Hauptaufgabe wird es sein, für die badische Landeskirche die evangelischen Rundfunksendungen auf allen SWR-Kanälen zu verantworten. Täglich werden dort Andachten und Impulse gesendet. Einen Teil schreibe und spreche ich selbst, einen Großteil macht ein Team aus Kolleg*Innen, das ich redaktionell und bei den Aufnahmen im Studio betreue. Das geschieht in enger Zusammenarbeit mit der württembergischen und der pfälzischen Kollegin, denn diese drei Landeskirchen deckt das Sendegebiet ab. Mein Büro wird darum auch in Stuttgart sein. Außerdem verantworte ich Radio- und Fernsehgottesdienste, soweit sie vom SWR produziert werden.  

Bei aller Wehmut, die dein Abschied hier bedeutet, ist da ja zumindest ein Trostmoment enthalten. Die wortvirtuose Predigerin können die Handschuhsheimer und Handschuhsheimerinnen weiter hören. Aber der Wechsel auf eine Funktionspfarrstelle ist ja auch eine berufliche Zäsur. Gibt es etwas, dass du vermissen wirst aus der Zeit als Gemeindepfarrerin?

Ja, ganz bestimmt. Ich habe das Pfarrerin-Sein immer auch als Lebensmodell verstanden, nie nur als einen Beruf wie viele andere. In den drei Gemeinden, in denen ich tätig gewesen bin, habe ich mich immer auf Menschen, Geschichten und Beziehungen eingelassen, Netzwerke gesponnen und mich trotz des Wissens, dass ich nur auf Zeit da bin, verwurzelt. Das ist auch ein großes Privileg. Ich habe viel unmittelbare Rückmeldungen auf meine Arbeit bekommen. Es ist schön, wenn man Menschen etwas mitgegeben hat und es auch gesagt bekommt. In Zukunft wird es eine viel deutlichere Trennung von beruflichem und privatem Leben geben. Wobei mich das natürlich auch freut, weil ich auf der neuen Stelle nicht an eine Residenzpflicht gebunden bin, sondern mit meinem Mann zusammenziehen kann, der ja in Bad Boll lebt. 

Das ist natürlich ein schöner „Nebeneffekt“ der neuen Stelle. Im Pfarramt ist ja jeder Stellenwechsel zugleich mit einem Umzug bzw. Wegzug verbunden. Welche besonderen Erinnerungen und Highlights nimmst du aus deiner auch persönlich bewegten Zeit in Handschuhsheim und in der Friedensgemeinde mit?

Vermissen werde ich die große Kollegialität in unserem Pfarrteam. Sie war und ist ein Highlight, für das ich sehr dankbar bin. Es ist einfach toll, gemeinsame Ziele zu verfolgen und sich dabei nicht im Weg zu stehen, sondern voneinander zu profitieren. Vermissen werde ich die Friedenskirche mit all ihren Möglichkeiten, unterschiedlichste Gottesdienste zu feiern. Sie ist, wie Diana Deutsch einmal geschrieben hat, ein visionäres Gotteshaus, in dem Gott auf vielerlei wundersame Weise erfahrbar wird. Vermissen werde ich all die Menschen, die mich an ihrem Leben haben teilnehmen lassen und die mir ans Herz gewachsen sind. Vermissen werde ich das Handschuhsheimer Feld vor der Haustür und dass ich dort nun kein begehbares Labyrinth mehr verwirklichen kann.  

Wir werden dich im Pfarrteam auch sehr vermissen. Aber ehe wir jetzt schon die ersten Abschiedsreden halten und die Tränen vergießen, freuen wir uns auf das, was da in den Wochen bis zum 31. Juli noch kommt. Schön, dass du da bist/warst.

Das Gespräch gibt ein Chatprotokoll von Pfarrer Gunnar Garleff und Pfarrerin Steinbrecher am 6. Mai 2021 wieder.

Die Verabschiedung von Pfarrerin Martina Steinbrecher wird am 4. Juli 2021 in der Friedenskirche durch Dekan Dr. Christof Ellsiepen stattfinden. Nähere Informationen zu Uhrzeit, Form und Anmeldung gibt es in Kürze.

Konfi-Freizeit im virtuellen Schloss

Ein Schloss am Meer! Wer träumt nicht davon, einmal ein Wochenende in einem Schloss am Meer zu verbringen? Dieses Jahr hat es möglich – beziehungsweise alles andere unmöglich – gemacht. Corona hat uns die Möglichkeit genommen, gemeinsam zu einem Ort zu fahren, um dort die Konfirmandenfreizeit zu verbringen. Also dachten wir uns: Wenn wir schon nicht wegfahren können, wieso holen wir nicht einfach ein Schloss und das Meer zu jedem von uns nach Hause? Und so hatten wir das Glück, jeder bei sich und mit viel Abstand zu den anderen, aber trotzdem gemeinsam, ein schönes und etwas anderes Wochenende zu verbringen.

Ein gemeinsamer Spieleabend über Zoom war natürlich ein Muss. Weiter ging es mit einer virtuellen Tour durch das „Konfi-Schloss“ über die Plattform „Gather town“. Dort konnten wir drei Betreuerinnen und Pfarrer Garleff uns zusammen mit den Konfirmand*innen, alle  als Avatare, frei bewegen und uns in Tandems oder auch in Gruppen austauschen, und so hatten wir alle trotz des Lockdowns endlich die Möglichkeit, uns besser kennenzulernen. Den Abend ließen wir dann dort am „Lagerfeuer am Meer“ mit Gitarrenmusik ausklingen, bis sich jeder zum „Schlafen“ in sein Zelt zurückzog.

Für etwas Abwechslung, reale Begegnung und frische Luft sorgte am nächsten Tag die Action-Bound-Tour, bei der die Konfirmand*innen, in kleinen Teams und mit Abstand, durch ganz Handschuhsheim geführt wurden. Während ihrer Runde durchs Viertel bekamen sie nicht nur das Material für ihre Kerzen, die sie später unter Anleitung basteln sollten, und einen kleinen Snack, sondern wurden auch zum Nachdenken angeregt und tobten sich im Sandkasten beim kreativen Bauen von Sandburgen aus. Dann ging es auch schon mit dem nächsten Programmpunkt, dem Backen, weiter. Wieder gemeinsam über Zoom kreierte jeder seine eigene Focaccia. Dann widmeten wir uns, immer noch im gemeinsamen Zoom-Raum, den Kerzen und Sprüchen für die anstehende Konfirmation. In Kleingruppen gestalteten die Konfirmand*innen ihre individuelle Kerze und hatten die Möglichkeit, sich über ihre Sprüche auszutauschen.

Das Highlight, für uns vier Betreuer und sicherlich auch für viele der Konfirmand*innen, war am Abend das gemeinsame – reale – Treffen in der Kirche: Endlich konnten wir uns alle einmal gemeinsam sehen. Ohne überwiegend schwarze Bildschirme, ohne Internetprobleme oder sonstige Komplikationen. Endlich sahen wir uns mal alle an einem Ort – zwar mit Abstand und Masken, aber immerhin konnte so ansatzweise das Gefühl einer Gemeinschaft aufkommen. Da jeder für die abendliche Andacht eine Kerze bekam, wirkte die Kirche von den Konfirmand*innen wie erleuchtet. Neben musikalischen Einlagen und Videos schauten wir uns noch gemeinsam an, was wir in den zwei Tagen erlebt hatten.

Es war sehr schade, dass wir dieses Jahr nicht alle zusammen wegfahren konnten. Dennoch haben wir diese ganz andere Freizeit mit tollen und engagierten Konfirmanden genossen und hoffen, dass wir bald nochmal eine gemeinsame Aktion starten können.

Text: Paula Buselmeier

Blockaden lösen, Spielräume eröffnen

Installationen zur Passionszeit in der Friedenskirche

Verzicht prägt die Fastenzeit. In diesen Tagen fällt das Verzichten allerdings schwer, weil wir schon so lange auf so vieles verzichten müssen. Vielleicht ist es deshalb umso reizvoller, neue Spielräume zu entdecken? Dafür haben wir das Motto der diesjährigen Fastenaktion in der Friedenskirche in Szene gesetzt.

Im Bereich unter der Westempore lädt ein in helles Licht getauchter Spielraum dazu ein, auch in einer Zeit, die von vielerlei Einschränkungen bestimmt ist, kleine und große Spielräume für sich zu entdecken und diese Entdeckungen mit anderen zu teilen.

Im gegenüberliegenden Bereich der Kirche leuchtet der Raum im dunklen Violett der Passionszeit. Hier können Sie sich all der inneren und äußeren Blockaden bewusstwerden, die Sie einschränken, und überlegen, wie sich die eine oder andere abbauen lässt. 

Wechselnde biblische Impulse und Fragen an den Säulen geben Anregungen, die Fastenzeit ohne zusätzlichen Verzicht mit persönlichem Gewinn zu begehen.