Das Leben feiern

Nach drei Jahren feierte die Friedensgemeinde wieder ihre „Tanznacht“

Die Unsicherheit war groß: Werden die Tanzbegeisterten wieder kommen nach den Jahren der Pandemie? Würgt die anhaltende Krisenstimmung die Feierlaune ab?

Aber kaum schlug die Kirchturmuhr der Friedenskirche am vergangenen Samstag 20 Uhr, da strömten die Tanznachtgäste. Erwartungsvolle Blicke im liebevoll hergerichteten Gemeindehaus. Die Musik lief, Mitglieder der Technik-AG vom Thadden-Gymnasium hatten den großen Saal wieder und wundervolles Partylicht getaucht, das große Käse-Buffet gerichtet, die Getränke bereit.

Das Leben feiern – darum geht‘s bei der Tanznacht der Friedensgemeinde.

Dem Spruch des alten Kirchenvater Augustinus folgend:
Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen.

Anrührende Empfindung

Am vergangenen Samstag (17. Dezember) musizierten Kantorei und Kinderchor der Friedensgemeinde, gemeinsam mit der Kammerphilharmonie Mannheim und herausragenden Solisten das Oratorium „Die Geburt Christi“ von Heinrich von Herzogenberg (1843-1900). Das Konzert unter der Leitung von Friedenskirchen- und Stadtkantor Michael Braatz-Tempel wird heute in der RNZ ausführlich gelobt:

Rhein-Neckar-Zeitung, 21.12.22, S.11

Evangelisch im Heidelberger Norden

Die Johannes-, Jakobus- und Friedensgemeinde intensivieren ihre Zusammenarbeit

Im Rahmen des Transformationsprozesses der badischen Landeskirche kommt es aufgrund von Nachwuchsmangel, Mitgliederrückgang und erwarteten Kirchensteuerrückgang in den kommenden Jahren zur Reduktion von Pfarrstellen. Dies trifft – wie berichtet – auch den Heidelberger Norden.

Nach dem Ruhestandseintritt von Pfarrer Anselm Friederich-Schwieger (2023, Jakobus) und Pfarrer Hans-Jürgen Holzmann (2024 od. 2025, Johannes) wird eine Pfarrstelle wegfallen. Um die Arbeit und das kirchliche Leben aber weiter gut zu gestalten, zu begleiten und zu entwickeln, haben die drei Gemeinden in Neuenheim und Handschuhsheim beschlossen, eine „Überparochiale (also gemeindeübergreifende) Dienstgruppe“ der Pfarrer:innen und Kantor:innen zu bilden. Die Hauptamtlichen werden also gemeinsam als Pfarrteam für alle drei Gemeinden zuständig sein. Dabei ist den Ältestenkreisen wichtig, dass für jede Gemeinde eine Person als verlässliche Ansprechpartnerin benannt ist, die dann auch im Ältestenkreis stimmberechtigt ist.

Die Arbeit der Dienstgruppe wird in Zukunft begleitet von einem Kooperationsausschuss. Dieser hat am 30. November seine Arbeit aufgenommen, um zunächst die Nachbesetzung der Neuenheimer Pfarrstelle zum 1. September 2023 und dann auch zentrale Felder der Zusammenarbeit (z.B. Gottesdienste, Amtshandlungen) vorzubereiten. Die ersten zwei Sitzungen, des 14-köpfigen Gremiums waren für alle Beteiligten sehr ermutigend, zeigte sich doch, welch lebendige Vielfalt des Gemeindelebens an den drei kirchlichen Orten etabliert ist. Zugleich war der Geist des Aufbruchs und der Offenheit für Neues spürbar.

Damit alle Gemeindeglieder über den Charakter der Zusammenarbeit informiert sind, veröffentlichen wir hier die Kooperationsvereinbarung.

Vereinbarung zur Zusammenarbeit und Bildung einer überparochialen Dienstgruppe
Heidelberg Neuenheim und Handschuhsheim

Präambel

Mit dem Ziel und dem Willen, das vielfältige kirchliche Leben in den Pfarrgemeinden und in den Stadtteilen Neuenheim und Handschuhsheim gemeinsam zu erhalten und weiterzuentwickeln, intensivieren die Jakobusgemeinde Heidelberg-Neuenheim, die Johannesgemeinde Heidelberg-Neuenheim  und die Friedensgemeinde Heidelberg-Handschuhsheim ihre Zusammenarbeit. Sie bilden hierfür mit Wirkung zum 1. Juli 2023 eine überparochiale Dienstgruppe (gemäß Art. 15b Abs 2 GO und Dienstgruppen RVO §4 (3)).

§1
Mitglieder der Dienstgruppe

(1) Die Dienstgruppe umfasst die Pfarrstelleninhaberinnen und Pfarrstelleninhaber sowie die hauptamtlichen Kantoren der beteiligten Gemeinden.

(2) Die Zusammenarbeit innerhalb der Dienstgruppe geschieht gemäß §7-9 Dienstgruppen-RVO.

(3) Die Dienstgruppe gibt sich eine Geschäftsordnung, die der Zustimmung aller drei Ältestenkreise bedarf.

§2

Aufgabenfelder überparochialer Zusammenarbeit

(1) Im Rahmen der überparochialen Dienstgruppe soll vorrangig die Arbeit in folgenden Bereichen schrittweise auf Initiative des Kooperationsausschusses (siehe §3) und mit Zustimmung der Ältestenkreise der drei Gemeinden zusammengeführt werden:

  1. Gemeinsames Gottesdienstkonzept, das die Interessen und Profile aller drei Gemeinden berücksichtigt
  2. Kasualien
  3. Kirchenmusik
  4. Diakonie (insb. Nachbarschaftshilfe)
  5. Dienstplan (freie Tage, Urlaubsplanung, Erreichbarkeit); der Dienstplan ist bei Hinzutreten eines neuen Mitglieds in die Dienstgruppe neu zu fassen und zu beschließen.
  6. Konfirmanden
  7. Kinder und Jugend
  8. Senioren
  9.  Ökumene
  10. Bildung und Kultur
  11. Schule
  12. Kommunikation

(2) Der Kooperationsausschuss prüft die Möglichkeiten, Aufgaben der Pfarrämter (z.B. Buchungen, Kirchenbuch) zusammenzuführen. Dabei muss sichergestellt sein, dass jede Gemeinde ihre Verantwortung für ihre Finanzen wahrnehmen kann.

§3

Kooperationsausschuss

(1) Zur Begleitung der überparochialen Dienstgruppe wird ein Kooperationsausschuss gebildet.

(2) Er setzt sich aus je drei gewählten Mitgliedern der Ältestenkreise zusammen, die sich im Einzelfall durch andere Mitglieder ihres Ältestenkreises vertreten lassen können.

(3) Die hauptamtlichen Kantoren und Pfarrstelleninhaberinnen und Pfarrstelleninhaber gehören dem Kooperationsausschuss qua Amt als Mitglieder an. Nebenamtliche Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker können an den Sitzungen mit beratender Stimme teilnehmen.

(4) Der Kooperationsausschuss ist ein beschließender Ausschuss. Er

  • bereitet die Beschlussvorlagen zu Konzepten der in §2 genannten Themenfelder zur Beschlussfassung durch die Ältestenkreise vor
  • er beschließt den Budgetplan für die gemeinsamen Aufgabenfelder der Dienstgruppe
  • er erarbeitet den Entwurf für Stellenausschreibungen bei Kantorats- oder Pfarrstellenwechseln
  • er erarbeitet Formen der vertieften Zusammenarbeit

(5) Die Beschlüsse des Kooperationsausschusses bedürfen der Zustimmung jedes der drei Ältestenkreise  und der Dienstgruppe.

§4

Ältestenkreise

(1) Den Ältestenkreisen der Jakobusgemeinde und der Johannesgemeinde gehört jeweils eine Pfarrstelleninhaberin oder ein Pfarrstelleninhaber als dauerhaft zugeordnetes stimmberechtigtes Mitglied an; dem Ältestenkreis der Friedensgemeinde gehören zwei Pfarrstelleninhaberinnen oder Pfarrstelleninhaber als Mitglieder an.

(2) Die Dienstgruppe entscheidet mit Zustimmung des jeweiligen Ältestenkreises, welche Pfarrstelleninhaberin oder welcher Pfarrstelleninhaber den drei Ältestenkreisen als stimmberechtigtes Mitglied angehören. Diese Pfarrperson ist vorrangig für die Präsenz der evangelischen Kirche an diesem Standort verantwortlich. Satz 1 und 2 gelten vorbehaltlich der Schaffung einer landeskirchlichen Rechtsgrundlage. Bis diese umgesetzt sein wird, gehört jede Pfarrperson dem Ältestenkreis derjenigen Pfarrgemeinde als stimmberechtigtes Mitglied an, für die die Pfarrperson berufen oder beauftragt ist.

(3) Alle Mitglieder der überparochialen Dienstgruppe können mit beratender Stimme an allen Sitzungen der Ältestenkreise teilnehmen.

(4) Die Ältestenkreise treffen sich mindestens zweimal im Jahr zu gemeinsamen Sitzungen. Dabei informieren die Dienstgruppe und der Kooperationsausschuss über ihre Arbeit.

(5) Beschlüsse in dieser Sitzung sind angenommen, wenn die Beschlussfähigkeit für jeden Ältestenkreis vorgelegen hat und die Mehrheit der Mitglieder jedes der drei Ältestenkreise zugestimmt hat.

§5

Gemeindeversammlung

Einmal im Jahr tagt eine Gemeindeversammlung aller drei Gemeinden.

§6

Finanzierung

Für die überparochiale Dienstgruppe und ihre Themenfelder wird ein gemeinsames Budget gebildet, aus dem alle Ausgaben für den Pfarrdienst (z.B. technische Ausstattung, Fahrtkosten, Telekommunikation) und für die zusammengeführten Arbeitsbereiche finanziert werden. Die Einnahmen für die zusammengeführten Arbeitsbereiche (z.B. Zuschüsse, Teilnehmerbeiträge oder Spenden) fließen in das gemeinsame Budget ein. Das ggfs. verbleibende Defizit wird aus den Budgets der beteiligten Pfarrgemeinden anteilig nach Gemeindegliedern gedeckt.

§7

Änderung der Kooperationsvereinbarung und
Austritt aus der Dienstgruppe

(1) Diese Vereinbarung kann mit Zustimmung aller drei Ältestenkreise geändert werden. Die Änderungen unterliegen der Zustimmung des Stadtkirchenrats und werden dem Oberkirchenrat mitgeteilt.

(2) Eine Pfarrgemeinde kann nach Anhörung des Stadtkirchenrats per Beschluss des Ältestenkreises, der mit 2/3 Mehrheit der Mitglieder gefasst werden muss, den Austritt aus der überparochialen Dienstgruppe beschließen. Eingegangene finanzielle Verpflichtungen aus einem beschlossenen Haushalt hat die austretende Gemeinde bis zum Ende des Haushaltsjahres zu erfüllen.

(3) Im Fall des Austritts einer Gemeinde entscheidet der Stadtkirchenrat über die pfarramtliche Versorgung der betreffenden Pfarrgemeinde, ohne dass die überparochiale Dienstgruppe als solche aufgelöst wird.

Ungewöhnliches Weihnachtskonzert

Die Kantorei an der Friedenskirche in Heidelberg-Handschuhsheim führt am 17. Dezember 2022 ein besonderes Weihnachtskonzert auf: Das Oratorium „Die Geburt Christi“ von Heinrich von Herzogenberg.

Das adventliche Werk ist selten zu hören, obwohl es wunderschöne Chöre, herrliche Orchestermusik und hinreißende Soli zum Klingen bringt.

Bild von Gerd altmann auf Pixabay
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Außergewöhnlich ist bei diesem Oratorium, dass durchgängig ein Kunst-Harmonium mitspielt. Dieses wird bei der Aufführung in der Friedenskirche von Jan Hennig gespielt, einem Spezialisten für dieses selten gespielte Instrument.

Eine weitere Besonderheit der Komposition: Auch das Publikum darf mitmachen! Das Werk wird gegliedert von alten bekannten Weihnachtsliedern, die gemeinsam gesungen werden.

Die Kantorei musiziert gemeinsam mit einem Kinderchor und der Kammerphilharmonie Mannheim. Die Rolle des Evangelisten wird vom Tenor Sebastian Hübner gesungen, die übrigen Solist:innen sind Carmen Buchert (Sopran), Cordula Stepp (Mezzosopran), Byungyong Yoo (Tenor), Luciano Lodi und Christian Yang (Bass).

Notieren Sie sich jetzt schon den Termin! Sichern Sie sich rechtzeitg Ihr Ticket!
Samstag, 17. Dezember 2022, 20 Uhr
Friedenskirche Heidelberg-Handschuhsheim

Der Vorverkauf ist bereits gestartet! Sichern Sie sich jetzt Ihren Platz in der Friedenskirche.
Karten zu 20/16 Euro (Kategorie I) und 15/10 Euro (Kategorie II) gibt es in der Bücherstube an der Tiefburg sowie – bitte nur per Mail – im Pfarramt der Friedensgemeinde.

Neugier auf kreativen Geist

Therese Wagner ist die neue Pfarrerin in der Friedensgemeinde. Im September beginnt sie ihren Dienst. Hier stellt sie sich kurz vor.

Um 0.30 Uhr steigen die letzten Raketen in die Luft. Es ist kalt. Ein längerer Fußmarsch liegt vor uns. Wir gehen von Tür zu Tür. Sobald sie sich öffnet, singen wir los:
Das alte Jahr vergangen ist;
wir danken dir, Herr Jesu Christ,
dass du uns in so großer G’fahr
so gnädiglich behüt‘ dies Jahr
.
Frohes Neujahr!“

Manch eine, die wir besuchen, singt mit, der eine oder die andere lädt uns ein, rein zu kommen. Oft gibt es einen Kurzen und etwas Kleingeld für den Gruß in der Nacht zum neuen Jahr.

Die erste Strophe des Liedes von Johann Steuerlein, sie gehört für mich zu einer meiner persönlichen „eisernen Reserven“, die ich aus meiner Kindheit und Jugend in der Lüneburger Heide in mir trage. Als Jugendliche haben wir den Text den Älteren nachgesungen – ohne groß darüber nachzudenken. Das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, war nicht besonders christlich geprägt, aber man hielt sich gerne an die Tradition. Mein Elternhaus war christlich. In aller Freiheit konnte ich mit den Geschichten und Liedern unseres Glaubens groß werden, ausprobieren, Fragen stellen und diskutieren.

„Meinen Sie, dass Adolf Hitler in den Himmel kommt?“ Kreuzen Sie an „Ja“, „Nein“, „Weiß ich nicht“. Mit dieser Umfrage stand unsere Konfi-Gruppe damals unverhofft an den Haustüren der Dorfbewohner. Es waren Fragen wie diese, die mich später zum Studium der Theologie bewegt haben. Fragen lernen, nach dem Grund unseres Glaubens, das ist für mich ein Weg, der im Zwei-Wort-Satz-Alter beginnt und am Sterbebett endet. Fragen, hinter denen wir keinen Haken setzen können. Dabei ist Kirche für mich der Raum und die Gemeinschaft, die zu diesen Fragen ermutigt, sie stellt und gemeinsam nach Antworten sucht und um sie ringt.

Mit Neugier und Lust, weiter die Frage nach Gott und die Fragen des Glaubens zu stellen und mit Ihren und meinen Lebensgeschichten zu füllen, beginne ich im September meinen Dienst in Ihrer Gemeinde. Ich gehe diesen Schritt im Bewusstsein, dass wir uns als Kirche neben den inhaltlichen auch den strukturellen Fragen stellen müssen. In welcher Form werden wir dem Inhalt zukünftig gerecht? Dabei freue ich mich auf das große Team an Haupt- und Ehrenamtlichen in Ihrer Gemeinde und erhoffe mir viel kreativen Geist.

Neben dieser Neugier und Lust komme ich mit dem Gefühl von Neujahr in Ihre Gemeinde. Für meine Familie und mich beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Aber wir gehen und kommen nicht, ohne auf das zu schauen, was uns gerade in den letzten acht Jahren in meiner alten Gemeinde am Fuße des Schwarzwalds beschäftigt und geprägt hat: Neben allem Beruflichen vor allem die Geburt unser beiden Töchter, Toni und Romy. Steuerleins Strophe trifft für mich auch hier. Wir sind dankbar für das, was uns im Vergangenen geschenkt und wovor wir bewahrt wurden. Gleichzeitig hoffen wir, in Ihrer Gemeinde und der Region bald heimisch zu werden. Dazu beitragen wird sicherlich, dass wir Im Neulich in Handschuhsheim eine Wohnung gefunden haben. Mein Mann, Gregor Herrmann-Wagner, wird als Pfarrer im Schuldienst am Hölderlin Gymnasium und der Theodor-Heuss-Realschule tätig sein. Mein Dienst in Ihrer Gemeinde beginnt am 5. September.

Bis wir uns (wieder-)sehen, bleiben Sie behütet!

Ihre Pfarrerin Therese Wagner