Von Handschuhsheim ins Radio

Abschied von Pfarrerin Martina Steinbrecher

Eine gehörige Portion Wehmut war mit dabei, als die Friedensgemeinde sowie Freund*innen und Wegbegleiter*innen sich am Sonntag (4. Juli) von ihrer Pfarrerin Martina Steinbrecher verabschiedeten. Fast auf den Tag genau vor sechs Jahren hatte sie in der Friedensgemeinde angefangen, hatte mit ihrer Nähe zu den Menschen, mit kreativer Experimentierlust und eindrücklichen Predigtworten schnell die Herzen der Menschen erobert.

Jetzt ist sie von der badischen Landeskirche zur Rundfunkpfarrerin berufen worden. In einem festlichen Gottesdienst wurde Martina Steinbrecher von Dekan Christof Ellsiepen von ihrem Amt in der Gemeinde entpflichtet. Mit der Friedensgemeinde-Rikscha ging es dann in den Handschuhsheimer Grahampark. Und dort gab’s unter sommerlichem freiem Himmel genug Anlass für das sprichwörtliche lachende und das tränende Auge.

Wer Handschuhsheim freiwillig verlässt, muss ein bisschen verrückt sein, sagte Martina Steinbrecher. Und: „Ich bin ein bisschen verrückt.“

Bilder des Tages hier in der Galerie.

Martina Steinbrecher wird Rundfunkpfarrerin

Garleff, Gunnar: Herzlichen Glückwunsch zur neuen Stelle? Was reizt dich an ihr und was genau werden deine Aufgaben sein?

Steinbrecher, Martina: Nach über zwanzig Jahren als im Gemeindepfarramt reizt es mich, mich auf eine Sache konzentrieren zu können. Und dass diese Sache die zeitgemäße Verkündigung der guten Nachricht von Gott in Jesus Christus ist, habe ich natürlich mit Bedacht gewählt. Ich lese viel und schreibe gerne Texte, ich predige gern, spiele mit Wörtern und nehme das Wort ernst. Meine Hauptaufgabe wird es sein, für die badische Landeskirche die evangelischen Rundfunksendungen auf allen SWR-Kanälen zu verantworten. Täglich werden dort Andachten und Impulse gesendet. Einen Teil schreibe und spreche ich selbst, einen Großteil macht ein Team aus Kolleg*Innen, das ich redaktionell und bei den Aufnahmen im Studio betreue. Das geschieht in enger Zusammenarbeit mit der württembergischen und der pfälzischen Kollegin, denn diese drei Landeskirchen deckt das Sendegebiet ab. Mein Büro wird darum auch in Stuttgart sein. Außerdem verantworte ich Radio- und Fernsehgottesdienste, soweit sie vom SWR produziert werden.  

Bei aller Wehmut, die dein Abschied hier bedeutet, ist da ja zumindest ein Trostmoment enthalten. Die wortvirtuose Predigerin können die Handschuhsheimer und Handschuhsheimerinnen weiter hören. Aber der Wechsel auf eine Funktionspfarrstelle ist ja auch eine berufliche Zäsur. Gibt es etwas, dass du vermissen wirst aus der Zeit als Gemeindepfarrerin?

Ja, ganz bestimmt. Ich habe das Pfarrerin-Sein immer auch als Lebensmodell verstanden, nie nur als einen Beruf wie viele andere. In den drei Gemeinden, in denen ich tätig gewesen bin, habe ich mich immer auf Menschen, Geschichten und Beziehungen eingelassen, Netzwerke gesponnen und mich trotz des Wissens, dass ich nur auf Zeit da bin, verwurzelt. Das ist auch ein großes Privileg. Ich habe viel unmittelbare Rückmeldungen auf meine Arbeit bekommen. Es ist schön, wenn man Menschen etwas mitgegeben hat und es auch gesagt bekommt. In Zukunft wird es eine viel deutlichere Trennung von beruflichem und privatem Leben geben. Wobei mich das natürlich auch freut, weil ich auf der neuen Stelle nicht an eine Residenzpflicht gebunden bin, sondern mit meinem Mann zusammenziehen kann, der ja in Bad Boll lebt. 

Das ist natürlich ein schöner „Nebeneffekt“ der neuen Stelle. Im Pfarramt ist ja jeder Stellenwechsel zugleich mit einem Umzug bzw. Wegzug verbunden. Welche besonderen Erinnerungen und Highlights nimmst du aus deiner auch persönlich bewegten Zeit in Handschuhsheim und in der Friedensgemeinde mit?

Vermissen werde ich die große Kollegialität in unserem Pfarrteam. Sie war und ist ein Highlight, für das ich sehr dankbar bin. Es ist einfach toll, gemeinsame Ziele zu verfolgen und sich dabei nicht im Weg zu stehen, sondern voneinander zu profitieren. Vermissen werde ich die Friedenskirche mit all ihren Möglichkeiten, unterschiedlichste Gottesdienste zu feiern. Sie ist, wie Diana Deutsch einmal geschrieben hat, ein visionäres Gotteshaus, in dem Gott auf vielerlei wundersame Weise erfahrbar wird. Vermissen werde ich all die Menschen, die mich an ihrem Leben haben teilnehmen lassen und die mir ans Herz gewachsen sind. Vermissen werde ich das Handschuhsheimer Feld vor der Haustür und dass ich dort nun kein begehbares Labyrinth mehr verwirklichen kann.  

Wir werden dich im Pfarrteam auch sehr vermissen. Aber ehe wir jetzt schon die ersten Abschiedsreden halten und die Tränen vergießen, freuen wir uns auf das, was da in den Wochen bis zum 31. Juli noch kommt. Schön, dass du da bist/warst.

Das Gespräch gibt ein Chatprotokoll von Pfarrer Gunnar Garleff und Pfarrerin Steinbrecher am 6. Mai 2021 wieder.

Die Verabschiedung von Pfarrerin Martina Steinbrecher wird am 4. Juli 2021 in der Friedenskirche durch Dekan Dr. Christof Ellsiepen stattfinden. Nähere Informationen zu Uhrzeit, Form und Anmeldung gibt es in Kürze.

Konfi-Freizeit im virtuellen Schloss

Ein Schloss am Meer! Wer träumt nicht davon, einmal ein Wochenende in einem Schloss am Meer zu verbringen? Dieses Jahr hat es möglich – beziehungsweise alles andere unmöglich – gemacht. Corona hat uns die Möglichkeit genommen, gemeinsam zu einem Ort zu fahren, um dort die Konfirmandenfreizeit zu verbringen. Also dachten wir uns: Wenn wir schon nicht wegfahren können, wieso holen wir nicht einfach ein Schloss und das Meer zu jedem von uns nach Hause? Und so hatten wir das Glück, jeder bei sich und mit viel Abstand zu den anderen, aber trotzdem gemeinsam, ein schönes und etwas anderes Wochenende zu verbringen.

Ein gemeinsamer Spieleabend über Zoom war natürlich ein Muss. Weiter ging es mit einer virtuellen Tour durch das „Konfi-Schloss“ über die Plattform „Gather town“. Dort konnten wir drei Betreuerinnen und Pfarrer Garleff uns zusammen mit den Konfirmand*innen, alle  als Avatare, frei bewegen und uns in Tandems oder auch in Gruppen austauschen, und so hatten wir alle trotz des Lockdowns endlich die Möglichkeit, uns besser kennenzulernen. Den Abend ließen wir dann dort am „Lagerfeuer am Meer“ mit Gitarrenmusik ausklingen, bis sich jeder zum „Schlafen“ in sein Zelt zurückzog.

Für etwas Abwechslung, reale Begegnung und frische Luft sorgte am nächsten Tag die Action-Bound-Tour, bei der die Konfirmand*innen, in kleinen Teams und mit Abstand, durch ganz Handschuhsheim geführt wurden. Während ihrer Runde durchs Viertel bekamen sie nicht nur das Material für ihre Kerzen, die sie später unter Anleitung basteln sollten, und einen kleinen Snack, sondern wurden auch zum Nachdenken angeregt und tobten sich im Sandkasten beim kreativen Bauen von Sandburgen aus. Dann ging es auch schon mit dem nächsten Programmpunkt, dem Backen, weiter. Wieder gemeinsam über Zoom kreierte jeder seine eigene Focaccia. Dann widmeten wir uns, immer noch im gemeinsamen Zoom-Raum, den Kerzen und Sprüchen für die anstehende Konfirmation. In Kleingruppen gestalteten die Konfirmand*innen ihre individuelle Kerze und hatten die Möglichkeit, sich über ihre Sprüche auszutauschen.

Das Highlight, für uns vier Betreuer und sicherlich auch für viele der Konfirmand*innen, war am Abend das gemeinsame – reale – Treffen in der Kirche: Endlich konnten wir uns alle einmal gemeinsam sehen. Ohne überwiegend schwarze Bildschirme, ohne Internetprobleme oder sonstige Komplikationen. Endlich sahen wir uns mal alle an einem Ort – zwar mit Abstand und Masken, aber immerhin konnte so ansatzweise das Gefühl einer Gemeinschaft aufkommen. Da jeder für die abendliche Andacht eine Kerze bekam, wirkte die Kirche von den Konfirmand*innen wie erleuchtet. Neben musikalischen Einlagen und Videos schauten wir uns noch gemeinsam an, was wir in den zwei Tagen erlebt hatten.

Es war sehr schade, dass wir dieses Jahr nicht alle zusammen wegfahren konnten. Dennoch haben wir diese ganz andere Freizeit mit tollen und engagierten Konfirmanden genossen und hoffen, dass wir bald nochmal eine gemeinsame Aktion starten können.

Text: Paula Buselmeier

Blockaden lösen, Spielräume eröffnen

Installationen zur Passionszeit in der Friedenskirche

Verzicht prägt die Fastenzeit. In diesen Tagen fällt das Verzichten allerdings schwer, weil wir schon so lange auf so vieles verzichten müssen. Vielleicht ist es deshalb umso reizvoller, neue Spielräume zu entdecken? Dafür haben wir das Motto der diesjährigen Fastenaktion in der Friedenskirche in Szene gesetzt.

Im Bereich unter der Westempore lädt ein in helles Licht getauchter Spielraum dazu ein, auch in einer Zeit, die von vielerlei Einschränkungen bestimmt ist, kleine und große Spielräume für sich zu entdecken und diese Entdeckungen mit anderen zu teilen.

Im gegenüberliegenden Bereich der Kirche leuchtet der Raum im dunklen Violett der Passionszeit. Hier können Sie sich all der inneren und äußeren Blockaden bewusstwerden, die Sie einschränken, und überlegen, wie sich die eine oder andere abbauen lässt. 

Wechselnde biblische Impulse und Fragen an den Säulen geben Anregungen, die Fastenzeit ohne zusätzlichen Verzicht mit persönlichem Gewinn zu begehen.

Kein Abstand zwischen Himmel und Erde

Weihnachten 2020 – ganz anders in der Friedensgemeinde.

So viel Weihnachten war nie, oder mit anderen Worten: Nie zuvor sind wir in den letzten Jahren dem Kern des Weihnachtsevangeliums so nah gekommen wie in diesem verrückten Jahr. Ein Rückblick in Bildern auf die Adventswochen und die Weihnachtsgottesdienste „unterwegs“ in Handschuhsheim. Mit Auszügen aus der Weihnachtspredigt von Pfarrerin Martina Steinbrecher.

Hoffnungshorizonte – Adventsinstallationen

Das Gewohnte verlassen mussten wir in vielerlei Hinsicht, neue Wege gehen auf unbekanntem Terrain, unvorbereitet und ungeübt, so wie Maria und Josef ihr schnuckeliges Dorf Nazareth verlassen haben, in dem sie jeden Stein und jeden Baum und jede Blume kannten und das Ach unter jedem Dach und das Glück hinter jedem Zaun und all das Gerede. Das Gewohnte verlassen ausgerechnet zu Weihnachten, das wie kein anderes Fest vom Ritual lebt, von der wundersamen Wiederkehr des Immergleichen, die sich seit Kindertagen eingespielt hat und in die man sich zuweilen fallen lassen konnte wie in ein warmes Nest. Die Vertreibung aus dem Weihnachtsparadies ist ungemütlich. Sie hat uns hierher geführt statt in eine wohlig überfüllte Kirche, und dann auch noch bei Wind und Schmuddelwetter. Vielleicht birgt der Verlust aber auch einen Gewinn.

Neue Wege bringen plötzlich neue Perspektiven, neue Aussichten. So wie hier: Weihnachten unter freiem Himmel. Da gehört es hin. Denn Weihnachten fängt nicht in den Wohnzimmern der Bürgerinnen und Bürger von Bethlehem an, sondern draußen auf dem Feld bei den Hirten, droben auf dem Heiligenberg, draußen am Rand im Gewerbegebiet, draußen im Park. Nur hier kann man den Himmel sehen und spüren oder ahnen hinter all den Wolken. Nur hier reißt der Himmel auf wie in jener ersten Christnacht. Auch für dich.

Heiligabend unterwegs in Handschuhsheim

Ein Freund schreibt mir auf seiner Weihnachtskarte: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude: Das bisher für Begegnungen zwischen Himmel und Erde geltende Abstandsgebot ist ein für alle Mal aufgehoben. Denn euch ist heute der Heiland geboren!

Kein Abstand mehr zwischen Himmel und Erde! Gott wird Mensch: Ein Mensch, der keine Berührungsängste kennt, der sich an einen Tisch setzt mit Zöllnern und Sündern und Nichtsnutzen, mit Huren und ja, auch das, mit Aussätzigen. Gott überwindet die Abstandsgebote, die in vielen Fällen auch heute noch Anstandsgebote sind. Er sucht die Nähe zu den Menschen. Und zwar zu jedem, zu jeder einzelnen. Egal, was du oder sie oder er oder einer, der hier niemals auftauchen Würde an Lebenspäckchen geschultert hat, Gott geht hin, schenkt Berührung, Tischgemeinschaft, Heilung, Nähe.

Und nun werden auch Sie zum Weihnachtsengel, egal als wer Sie gekommen sind: Im Herzen Hirt oder König, groß oder klein, Traurig oder froh: Verbreiten Sie diese Botschaft, wann und wo immer Sie Gelegenheit dazu haben: Sagen Sie es sich und anderen immer wieder: Fürchtet euch nicht! Und noch einmal: Nicht, weil es nichts zum Fürchten gäbe, sondern weil der Heiland geboren ist.