Über 60 gut gelaunte aktive und passive Mitglieder waren der Einladung zur Jahreshauptversammlung des Kirchenchores am 3. März gefolgt, so dass der Platz im Gemeindehaus kaum ausreichte.
Es wurde gesungen, gegessen und getrunken und – viel gelacht.
Fast nebenbei hörten die Anwesenden von unserer Rechnerin Ilona Kilian, dass Kasse und Bücher tipptopp in Ordnung seien und vernahmen von unserer Schriftführerin Inge Weisbrod den umfassenden Tätigkeitsbericht des vergangenen Jahres.
Angeleitet von unserer Chorleiterin Tereza Scharf wurden dabei vom Kirchenchor anspruchsvollere Werke von Cecille Chaminade und Camille Saint-Saens ebenso gemeistert, wie Auftritte im Altersheim Philippus sowie mehrere Gottesdienstgestaltungen. Hierfür sprach die erste Vorsitzende Ingrid Friedly unserer Chorleiterin Tereza Scharf herzlichen Dank aus. Anschließend ließ es sich Gudrun Schuhmann als zweite Vorsitzende nicht nehmen, unter allgemeinem Applaus Ingrid Friedly für deren gute Vorstandschaft zu danken.
Zahlreiche Jubiliare wurden für ihre langjährige Mitgliedschaft geehrt, so mancher konnte dabei auf eine bis zu 35 Jahre andauernde Mitgliedschaft zurückblicken.
Nicht unerwähnt bleiben sollen weiterhin die humorigen Einlagen, vorgetragen von Maurice Seppich, Martin Kraft und Ruth Weiß.
Besonders freuten sich alle, dass unser langjähriger Chorleiter und jetziger Bezirkskantor Michael Braatz der Einladung gefolgt war und dem Chor die besten Wünsche von Pfarrer Garleff und dem Vorsitzenden des Ältestenkreises, Axel Schimpf ausrichtete.
Bei einem schmissigen vierhändigen Stück am Flügel gab er zudem gemeinsam mit Tereza Scharf eine Probe seines Könnens.
Auch für das kommende Jahr steht für den Kichenchor wieder ein abwechslungsreiches Programm auf der Veranstaltungsliste – wer mitmachen möchte kann gerne teilnehmen:
Der Kirchenchor trifft sich jeden Dienstag um 20:00 Uhr im Gemeindehaus. Sangeswillige sind dazu stets herzlich willkommen!
Die Besetzung der zweiten Pfarrstelle der Friedensgemeinde stand im Mittelpunkt der Gemeindeversammlung am vergangenen Sonntag (1. März 2015): Welches Profil wird seitens der Gemeindeversammlung und des Ältestenkreises vom dem Bewerber oder der Bewerberin erwartet?
Von Helmut Brodt
Am 1. März fand eine Gemeindeversammlung zu den Themen „Pfarrstellenbesetzung“ sowie Rechenschaftsbericht des Ältestenkreises statt. Wer erwartet hatte, dass die Wogen dabei hochschlugen wurde enttäuscht. Die 38 erschienenen Teilnehmer diskutierten in sachlicher Form die anstehenden Themen. Zu Eröffnung der Versammlung stellte der Leiter der Gemeindeversammlung, Peter Heesch fest, dass die Einladung fristgerecht 14 Tage vor Versammlung in mehrfacher Abkündigung, im Aushang und per Information im Internet erfolgte.
Rechenschaftsbericht zur Arbeit des Vorstands
Fotos: Rüdiger Runge
Der Vorsitzende des Ältestenkreises Axel Schimpf trug den Rechenschaftsbericht zur Arbeit des Ältestenkreises (ÄK) vor. Die Arbeitsatmosphäre im Ältestenkreis sei nach turbulentem Start mittlerweile sachlich und zielorientiert. Mit dazu trägt auch bei, dass Vorarbeit in den zahlreichen Ausschüssen geleistet wird. Zwar sei auch dadurch die Arbeitsbelastung für die Ältesten hoch, die Informations- und Beschlusslage aber für alle transparent und nachvollziehbar.
Wesentliches Ziel der Arbeit war im letzten Jahr die Schärfung des Profils der Gemeinde. In der Novemberklausur wurden fünf Schwerpunkte für die laufende Arbeit bestimmt. Im Zentrum stehen dabei neben der Kirchenmusik, die immer prägend für die Gemeindearbeit ist, die Themen
Kommunikation nach innen
Kommunikation nach außen,
Kinder- und Jugendarbeit
Arbeit mit Erwachsenen jeder Altersgruppe sowie die
Vernetzung der Gemeinde in Stadtteil und Stadt
Diese Schwerpunktsetzung ist auch eine wichtige Basis für das Profil der neuen Pfarrstelle.
Bei seiner Arbeit stellt der Ältestenkreis immer wieder fest, wie facettenreich das Gemeindeleben ist, was oft fehlt, ist aber die Darstellung dieser Aktivitäten nach außen, nicht zum Selbstzweck, sondern mit dem Ziel, dass sich Interessierte daran „andocken“ können. Die Gemeindeversammlung nahm den Bericht zur Arbeit des Ältestenkreises wohlwollend zur Kenntnis.
Neubesetzung der vakanten Pfarrstelle
Danach stand das zentrale Thema der Gemeindeversammlung, nämlich die Besetzung der vakanten Pfarrstelle, auf der Tagesordnung: Axel Schimpf und Peter Heesch stellten die im Pfarrstellengesetz beschriebenen Besetzungswege für die vakante Pfarrstelle vor:
Variante 1: Ausschreibung
Nach dem „Pfarrstellenbesetzungsgesetz“ wird die Stelle ausgeschrieben, aus den Bewerbern wählt der Oberkirchenrat (OKR) 2-3 Bewerber aus. Diese halten jeweils eine Predigt vor der Gemeinde. Nach der Predigt stehen die Bewerber für Fragen einer Gemeindeversammlung zur Verfügung. Abschließend entscheidet der Ältestenkreis in geheimer Wahl ob – und wenn ja- welcher Kandidat aus seiner Sicht geeignet ist. Ist dies bei keinem Kandidaten der Fall, erfolgt erneut ein Vorschlag durch den OKR.
Variante 2: Besetzungsvorschlag durch den OKR
Der Ältestenkreis entscheidet sich für einen Besetzungsvorschlag durch den Oberkirchenrat und legt dazu ein Anforderungsprofil vor. Der OKR wählt auf Basis dieses Profils einen Kandidaten aus, der geeignet erscheint. Der ÄK beschließt in geheimer Wahl, ob der Kandidat nach Befragung seinen Vorstellungen entspricht. Bei Ablehnung erfolgt ein erneuter Vorschlag. Bei Annahme hält der bestätigte Kandidat auf Wunsch eine Predigt vor der Gemeinde.
Entscheidung des Ältestenkreises
Der Ältestenkreis hat bei seiner Sitzung am 15.2. den Vorsitzenden der Gemeindeversammlung sowie die Dekanin zum Thema eingeladen und gehört. Der ÄK hat sich nach intensiver Diskussion anschließend in geheimer Abstimmung für einen Besetzungsvorschlag durch den OKR entschieden. In einer offenen Erklärung haben die beiden Vorsitzenden des ÄK, Pfarrer Gunnar Garleff und Axel Schimpf, die Entscheidung für die Öffentlichkeit und den OKR begründet.
Folgende Gründe sprechen für den Beschluss:
Bei einer Stellenausschreibung ist das Verfahren langwierig. Mit einer Entscheidung über die Kandidaten wäre erst kurz vor oder kurz nach den Sommerferien zu rechnen. Somit wäre die Pfarrstelle voraussichtlich erst ab 1.1. 2016 neu besetzt. Diese lange Frist und die damit verbundene Arbeitsbelastung würde die Dynamik, die sich gerade in der Gemeindearbeit entwickelt hat, lähmen und den derzeitigen Stelleninhaber sehr stark mit zusätzlichen Vertretungsaufgaben belasten.
Erfahrungen aus anderen Gemeinden in der Heidelberger Stadtkirche bei der Pfarrstellenbesetzung in Ausschreibung zeigen, dass mit diesem Verfahren nicht unbedingt ein Ergebnis erzielt wird, das die Gemeinde eint. Auch in der Friedensgemeinde selbst gab es bei der letzten Ausschreibung kein eindeutiges Votum im ÄK für einen der drei Kandidaten, so dass um einen Besetzungsvorschlag gebeten wurde.
Mit der gewählten Variante 2 ist es möglich, anhand des entwickelten Anforderungsprofils zügig einen qualifizierten Bewerber oder eine qualifizierte Bewerberin zu gewinnen und eine schnelle Besetzung der vakanten Stelle zu erreichen.
Viele qualifizierte Bewerber scheuen, wie zu hören war, das Ausschreibungsverfahren, auch weil sie bei Ablehnung in ihrer bisherigen Gemeinde als unsichere Kantonisten eingestuft werden könnten. Deshalb bewerben sich qualifizierte, wechselwillige Kandidaten oft direkt beim OKR für das so genannte Besetzungsverfahren.
Lebhafte und sachliche Aussprache
Zum Verfahren gab es aus der Gemeindeversammlung auch andere Meinungen zu hören: So erinnerte sich eine Teilnehmerin, dass die letzte Ausschreibung vor Ort auch für die Gemeinde eine Chance war, sich mit den Bewerbern zu befassen, was zu vielen Gesprächen führte, die die Meinungsbildung aktivierten. Sie fand es daher bei allen verständlichen Gründen schade, dass sich der ÄK für ein anderes Verfahren entschieden hatte.
Umfassender war die Kritik von Fritz Köhler. Er führte aus, dass seiner Meinung nach der eingeschlagene Weg nicht mit dem Gemeinderecht in Einklang zu bringen sei. Dies schreibe vor, dass vor einer Entscheidung über den Verfahrensweg die Gemeindeversammlung zu hören sei.
Dem widersprach der Vorsitzende der Gemeindeversammlung, Peter Heesch. Er habe die Rechtmäßigkeit des eingeschlagenen Weges geprüft und für einwandfrei befunden. Als Sprecher der Gemeindeversammlung sei er zu der genannten Anhörung und Abstimmung hinzugezogen worden, das gewählte Verfahren sei nicht zu beanstanden und rechtlich einwandfrei.
Auch Lothar Bauerochse, Mitglied im Ältestenkreis, wies darauf hin, dass die Entscheidung des Ältestenkreises vollständig im Einklang sei mit den kirchenrechtlichen Vorschriften. Das Pfarrstellenbesetzungsgesetz sehe in §12 eine Besetzung durch den Ev. Oberkirchenrat vor, sofern dies der Ältestenkreis beschließe. Vor einem solchen Beschluss sei die Erörterung im Rahmen einer Gemeindeversammlung nicht nötig. Der Ältestenkreis habe aber aus eigenem Interesse beschlossen, eine Gemeindeversammlung abzuhalten, um die Erwartungen der Gemeinde an die Bewerberin oder den Bewerber zu hören.
Andere Stimmen aus der Gemeindeversammlung zeigten Verständnis für den gewählten Verfahrensweg, auch wenn dabei mitunter Bedauern darüber geäußert wurde, dass so keine umfassende Vorstellung der Kandidaten für die Gemeinde möglich sei.
Aus Sicht von Fritz Köhler war weiterhin zu beanstanden, dass die Einladung zur Gemeindeversammlung kurzfristig und nicht umfassend genug erfolgt sei, weder im Schaukasten noch auf sonstigen Wegen sei hinreichend informiert worden. Dem widersprach Pfarrer Gunnar Garleff. Der Aushang sei rechtzeitig erfolgt, auf die Versammlung sei fristgerecht in Abkündigungen hingewiesen worden, auch im Blog waren entsprechende Einladungen eingestellt.
Zum Profil der neu zu besetzenden Pfarrstelle
Nach der ersten Aussprache zum Verfahren übernahm Axel Schimpf das Wort.
Er führte anhand einiger Charts vor, welche Profile für die Besetzung der neuen Pfarrstelle von Bedeutung seien und stellte vor, welche Aufgaben von beiden Pfarrern als so genannte Querschnittsfunktionen zu leisten sind, welche Aufgaben im zeitlichen Turnus von drei Jahren im Wechsel zu erbringen sind und welche Aufgaben im Profil für die neuen Pfarrerin oder den neuen Pfarrer vorzusehen sind.
Da Pfarrer Garleff seinen eindeutigen Arbeitsschwerpunkt bei der Kinder-und Jugendarbeit gefunden hat, ergab sich, dass für die neue Pfarrstelle die Arbeit mit Erwachsenen und Senioren ein Schwerpunktthema sein wird, wie auch die Arbeit mit Haupt- und Ehrenamtlichen, insbesondere in diesem Tätigkeitsfeld.
Anschließend bat Axel Schimpf die Teilnehmer, mit eigenen Anregungen das Pfarrstellenprofil zu ergänzen. Hierbei wurden Wünsche nach „Mehr Bibelarbeit“ , „Eine Welt –Themen“ oder auch „Öffentlichkeitarbeit als Schwerpunktthema“ genannt. Den weitergehenden Wunsch nach einem Pfarrer oder einer Pfarrerin aus der „Dritten Welt“ musste der Ältestenkreis in seiner anschließenden Besprechung verwerfen, da dies eine unzulässige Einengung der möglichen Kandidaten nach sich gezogen hätte.
Jeden Mittwochabend finden in der Passionszeit ökumenische Kurzandachten in der Friedenskirche statt. Was erwartet einen da?
15-20 Minuten Besinnung nach der Hektik des Tages. Andachten, jede davon so persönlich und unterschiedlich wie die Menschen, die sie vorbereiten. Lieder- aus dem Gesangbuch, aus dem Taizé-Liederheft, ein Motto zum Nachsinnen, ein gemeinsames Gebet.
Es hat schon etwas Besonderes, im kleinen Kreis die Stille in der Friedenskirche zu erleben. Die Andachten sind ökumenisch ausgerichtet, jeder ist willkommen. Das Motto der diesjährigen Passionszeit: „Du bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen“. Jede Woche dann ein Untermotto, das viel Raum zum Nachsinnen lässt. Diese Woche lautet es: „Du bist nicht der, für den man dich hält!“. Schauen Sie mal rein!
Kurzandachten zur Passionszeit: Jeden Mittwoch um 19:00. In der Friedenskirche.
Am 11. Februar hat der Ältestenkreis intensiv und in Anwesenheit von Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug über die anstehende Besetzung der zweiten Pfarrstelle der Friedensgemeinde beraten. Dabei galt es auch, eine Entscheidung über das Besetzungsverfahren zu treffen (vgl. Beitrag in diesem Blog). Der Ältestenkreis hat in geheimer Abstimmung entschieden, auf eine Ausschreibung der Pfarrstelle zu verzichten. Statt dessen wird der Evangelische Oberkirchenrat (EOK) gebeten, eine geeignete Person für die Besetzung der Pfarrstelle vorzuschlagen. Diesem Besetzungsvorschlag muss der Ältestenkreis dann zustimmen.
In einem Schreiben an den Evangelischen Oberkirchenrat haben in dieser Woche der Vorsitzende des Ältestenkreises, Axel Schimpf, und der geschäftsführende Pfarrer Gunnar Garleff die wichtigsten Gründe für diese Entscheidung folgendermaßen erläutert:
Die Friedensgemeinde Handschuhsheim ist nach bewegten Jahren in einer Situation des Aufbruchs. Die vergangenen zwei Jahre hat das Pfarrteam dazu genutzt, die jeweiligen pfarramtlichen Aufgaben zu schärfen. Diese Erfahrungen sind in eine Profilierung der Pfarrstellen geflossen, die Grundlage für eine Besetzung sein soll. Der Ältestenkreis und der Gemeindebeirat haben sich dieses Stellenprofil bereits zu Eigen gemacht. Der Gemeindeversammlung soll es am 1. März 2015 vorgestellt werden mit der Option, dass Rückmeldungen aus der Gemeindeversammlung Berücksichtigung finden können.
Im Unterschied zur Situation der Ausschreibung im Jahr 2012 hat sich in den letzten Jahren auch das zukünftige Profil der Friedensgemeinde geschärft. Der Ältestenkreis hat dazu auf einer Klausur Ziele entwickelt. Der sonst oft mit der Ausschreibung einhergehende Wunsch nach Veränderung und Neustart, ist in der Friedensgemeinde daher nicht in dem Maße vorhanden. Vielmehr suchen wir eine Pfarrerin/einen Pfarrer, die oder der sich auf das erarbeitete Profil einlassen kann und in den Aufbruch mit eigener Dynamik und Kompetenz einsteigen kann. Zu dieser Entwicklung beigetragen hat auch, dass wir die Möglichkeiten und die Ausstrahlung der „neuen“ Friedenskirche inzwischen gut kennen.
Die gegenwärtige Situation der Friedensgemeinde verlangt nicht nach langwierigen Entscheidungsprozessen und Vakanzen. Sondern wir wollen die Dynamik, die gerade im Bereich der Erwachsenenarbeit aufkeimt alsbald auch durch eine Pfarrperson fördern. Pfarrer Garleff ist für die Jugendarbeit zuständig und ist hier stark eingespannt durch den Aufbau der Arbeit mit schon Konfirmierten.
Die Erörterung der beiden möglichen Besetzungsverfahren hat uns deutlich gemacht, dass eine Besetzung der vakanten Pfarrstelle zum 1. September bei einer Ausschreibung nur sehr unwahrscheinlich ist. Da Ausschreibungsfrist und Wahlverfahren ihre Zeit brauchen, so dass eine Wahl nur kurz vor oder gar erst in den Sommerferien stattfinden könnte, ein Wechsel zum 1.9. ist dann aber nicht mehr möglich. Wir würden dadurch aber einen großen Teil der gegenwärtigen Dynamik in der Gemeinde verlieren.
Im Rückblick auf das gescheiterte Ausschreibungsverfahren 2012 wurde uns auch unter Betrachtung des Verlaufs anderer Ausschreibungsverfahren im Stadtkirchenbezirk Heidelberg bewusst, dass ein Ausschreibungsverfahren weder gleichzusetzen ist mit einem mehr an Gemeindetransparenz noch notwendig den Gemeindefrieden stärkt. Die Reaktionen auf das gescheiterte Verfahren 2012 haben uns gezeigt, dass mit Kritik an den Beschlüssen des Ältestenkreises immer zu rechnen ist und diese auch (nachhaltig) Unruhe produzieren können. Wir können mit solcher Kritik in der Gemeinde und der Gemeindeleitung umgehen.
Unser Vertrauen, dass der EOK passende Kandidatinnen und Kandidaten für unser Profil zur Verfügung hat, resultiert aus unserem Eindruck, dass manche PfarrerInnen Bewerbungen auf Ausschreibungen scheuen, weil sie auch im Falle des Scheiterns mit einer gewissen Öffentlichkeit einhergehen. Theologisch ist eine Berufung durch Besetzungsverfahren u.E. auch ein starkes Zeichen.
Die Gemeindeversammlung am Sonntag, 1. März 2015, im Anschluss an den Gottesdienst wird ebenfalls über die Erwartungen an die neue Pfarrerin / den neuen Pfarrer beraten.
Ein ungewöhnlicher Gottesdienst mit „Wüstenerfahrungen“
in der neuen Friedenskirche
Die neue Friedenskirche: leer. Stühle an einigen Orten im Kirchenraum zu bizarren Hügeln aufgetürmt, bis unter die Bögen der Seitengewölbe.
So sah es aus am vergangenen Sonntagnachmittag zum Beginn des ersten von insgesamt drei Gottesdiensten, die besondere Raumerfahrungen im renovierten Kirchenraum der Friedensgemeinde ermöglichen sollen. Alles anders. Schon am Eingang. Die Gottesdienstbesucher werden gebeten, sich oben auf der Empore zu versammeln, unter dem großen Glasfenster des guten Hirten. In einem Umschlag erhält jede und jeder eine Karte, darauf ein Satz der evangelischen Theologin Dorothee Sölle. Gleichsam das Motto für diesen Gottesdienst:
„Leer werden – es ist sehr schön, das zu lernen. So wie Jesus manchmal allein sein musste und in die Wüste ging, um zu fasten und zu beten, so können und sollen auch wir zu uns selber kommen und uns nicht verzehren lassen. Dann aber werden wir wieder zurückgehen in eine wirkliche Gemeinschaft der Glaubenden und darin arbeiten und leben.“ (aus: D. Sölle, Erinnert euch an den Regenbogen.)
Geheimnisvolle und eigentümlich karge Klänge der Orgel, intoniert von Kantor Michael Braatz, erfüllten den Kirchenraum, schufen eine Atmosphäre existentieller Intensität. Johann Sebastian Bachs selten gehörtes Stück „Erbarm dich mein, o Herre Gott“ führte die Gottesdienstbesucher aus ihrer eigenen Welt hinein in die Wüste.
Zu allen Jahrhunderten sind Menschen in die Wüste gegangen. Die jüdischen Propheten. Die ersten Mönche des Christentums. Schriftsteller der Neuzeit. Und immer wieder wird die Wüste zum „Ort der Erkenntnis“. Am Beginn der Fastenzeit konnten die Gottesdienstbesucher deshalb Erfahrungen von Wüste und Leere im eigenen Leben nachspüren. Karstiger Boden erfordert oft besondere Lebensanstrengungen. Es ist wie ein Lebensgesetz, formuliert von dem libyschen Schriftsteller Ibrahim Al Koni:
Gott sandte den Menschen hinaus in die Wüste, damit er zur Erkenntnis gelange.
Das gilt auch für den Propheten Elia, dessen Geschichte im ersten Buch der Könige in der hebräischen Bibel berichtet wird. Er flieht in die Wüste. Dort ereilt ihn ein tiefer Lebenszweifel. Aber gerade dort macht er die wunderbare Erfahrung einer lebensrettenden Hilfe. Zweimal fordert ihn eine Stimme auf, sich nicht aufzugeben. „Steh auf! Iss!“ Geröstetes Brot und ein Krug Wasser stehen bereit.
So war es auch am Sonntag in diesem besonderen Gottesdienst in der Friedenskirche. Die Gottesdienstgemeinde wanderte in die Wüste, in den leeren Kirchenraum, lagerte sich dort auf dem Boden des Seitenschiffes, zwischen den karstigen Stuhlhügeln. Zweimal hörte sie die Aufforderung: esst und trinkt! Geröstetes Brot und Krüge voll Wasser standen bereit. Eine heilsame Lebensstärkung auf dem Weg. Der Percussionist Thorsten Gellings erfüllte den Kirchenraum mit wüstenhaft-karstigen Klängen. Die Gemeinde ermutigte sich singend:
Gott, du bist die Quelle des Lebens, von deinem Wasser trinken wir, denn wir dürsten stets nach dir.
Texte des französischen Schriftstellers Antoine de Saint Exupery fassten die Wüstenerfahrung in berührende Worte:
„…denn ich lag mit ausgebreiteten Armen rücklings auf einem Dünengrat und sah ins Sterngewimmel. … Ich fand keine Wurzel, an die ich mich klammern konnte, und kein Dach und kein Zweig zwischen diesem Abgrund und mir. … Aber ich fiel nicht. Ich fühlte mich vom Kopf bis zu den Zehen mit unzählbaren Banden der Erde verknüpft. … Ich war verloren in der Wüste und furchtbar bedroht, nackt zwischen Sand und Sternen, fern von meinem Leben einem Übermaß an Stille ausgeliefert. … Und dennoch durfte ich entdecken, wie reich an Träumen ich war…“
Der hebräische Prophet Elia wird von seinem Gott auf den Berg Horeb geschickt. Und so stieg auch die Friedensgemeinde auf einen Berg. Den Berg der neuen Stufenanlage. Begleitet von Peter Handkes Schilderung einer Wanderung im karstigen Gebirge:
„Obwohl die Ebene unten noch nah ist, herrscht auf dem Plateau eine Stille, als seist du schon weit draußen auf dem Meer. … So still ist es, dass du das Rascheln hörst, wenn ein Falter mit seinen Flügeln, einer fallenden Blüte nachjagend, den Grund streift. … Stunden, Tage, Jahre später stehst du vor einem weissblühenden wilden Kirschbaum, in der einen Blüte eine Biene, in der zweiten eine Hummel, in der dritten eine Fliege, in der vierten ein paar Ameisen, in der fünften ein Käfer, auf der sechsten ein Schmetterling. … Nicht aus der Welt wirst du gewesen sein, sondern einmal ganz hiesig.“
Fotos: Armin Schäfer, AAg
Der Berg wird für Elia zum Ort der Begegnung mit Gott. Gott erscheint ihm nicht mit Getöse und Feuersbrunst, sondern in der Stille. In einem „feinen leichten Säuseln“.
Was löst die Erfahrung eines wüstenhaft leeren Kirchenraums aus? Die Gottesdienstbesucher tauschten sich darüber in einem „Bibliolog“ aus. Die Wüste ist tatsächlich ein Ort zum Bleiben. Es drängt einen gar nicht, diesen vorgeblich „lebensfeindlichen Ort“ zu fliehen. Die Wüste: Ein Ort der Stille. Ein Ort zum Innehalten. Ein Ort, um zu sich zu kommen.
Und dann wird Elia, der Prophet, von Gott wieder zurückgeschickt. Wieder zurück in die Wüste, wieder zurück an seinen Ort in der Welt. Also brachen auch die Gottesdienstbesucher wieder auf, hinunter vom Berg, in den Kirchenraum, den Ort der Wüste, und von dort, als Gesegnete, wieder hinaus in die Welt, in die Stadt, den Stadtteil, das zu Hause.
Aber dies nicht ohne ein gutes Wort für den Weg. Beim Hinuntergehen von der Stufenanlage konnte jede und jeder das Zitat von Friedrich Hölderlin „abschreiten“, das in die Stufen eingeprägt ist. Und sich ansprechen lassen von einem Gedanken, einem Satz, vielleicht einem einzelnen Wort:
und nur der liebe gesetz gilt von hier an bis zum himmel viel hat von morgen erfahren der mensch bald aber sind wir gesang
(Den nächsten Gottesdienst in dieser Reihe „kreuz.weg.wandel“ feiert die Evangelische Friedensgemeinde am Gründonnerstag. Das Thema: „Feiern im Zweifel“. Mahlerfahrung als Quelle gemeinschaftlichen Lebens.
Am 2. April, abends um 19 Uhr in der neuen Friedenskirche.)