Auszug aus der Friedenskirche – RNZ 12.2.2011

Die RNZ hat in ihrer Samstagsausgabe einen Artikel zum Auszugsgottesdienst der Friedensgemeinde am Sonntag veröffentlicht. Eine kürzere Vorabversion gibt es auch online.

Es wird auch auf die zurückliegenden, vier Jahre andauernden kontroversen Diskussionen und die bevorstehende Gemeindeversammlung, und was von ihr erwartet werden kann eingegangen.

Die neue Vielfalt der Friedenskirche (Teil 3)

Zur Vorstellung der neuen Raumsituation in der renovierten Friedenskirche zeigen wir Ihnen heute die Variante für große Gottesdienste oder sonstige große Veranstaltungen. Konfirmationsgottesdienste zum Beispiel. Und natürlich auch Weihnachten. Die Situationen also, in denen die Kirche voll bestuhlt ist.

In dieser Variante bietet die Friedenskirche im Erdgeschoss 420 Plätze. Damit lässt sich auch die Frage beantworten, wie viele Sitzplätze durch die Neugestaltung verloren gehen. Im Moment zählen wir im Erdgeschoss der Kirche knapp 460 Sitzplätze.

Große Gottesdienste in der Friedenskirche

Die Bänke auf den Emporen der Kirche bleiben unverändert. Sie werden nur farblich auf die hellere Farbgebung im Kirchenraum angepasst. Und wir werden versuchen, das Knarren der Holzböden auf den Emporen so weit wie möglich zu beseitigen.

Die neue Friedenskirche – ein Ort für die feiernde Gemeinde

Es ist bekannt, dass der Architekt der Friedenskirche in Heidelberg-Handschuhsheim, der großherzoglich badische Oberbaurat Karl Hermann Behaghel (1839-1921), die Kirche entsprechend dem so genannten „Wiesbadener Programm“ entworfen hat. Dieses Kirchenbauprogramm, erstmals in der Wiesbadener Ringkirche verwirklicht, war ein dezidiert reformerischer Ansatz.

Die vier Grundthesen des Wiesbadener Programms lauten:

  1. Die Kirche soll im allgemeinen das Gepräge eines Versammlungshauses der feiernden Gemeinde, nicht dasjenige eines Gotteshauses im katholischen Sinne an sich tragen.
  2. Der Einheit der Gemeinde und dem Grundsatze des allgemeinen Priesterthums soll durch die Einheitlichkeit des Raums Ausdruck gegeben werden. Eine Theilung des letzteren in mehrere Schiffe sowie eine Scheidung zwischen Schiff und Chor darf nicht stattfinden.
  3. Die Feier des Abendmahls soll sich nicht in einem abgesonderten Raume, sondern inmitten der Gemeinde vollziehen. Der mit einem Umgang zu versehende Altar muss daher, wenigstens symbolisch, eine entsprechende Stellung erhalten. Alle Sehlinien sollen auf denselben hinleiten.
  4. Die Kanzel, als derjenige Ort, an welchem Christus als geistige Speise der Gemeinde dargeboten wird, ist mindestens als dem Altar gleichwerthig zu behandeln. Sie soll ihre Stelle hinter dem letzteren erhalten und mit der im Angesicht der Gemeinde anzuordnenden Orgel- und Sängerbühne organisch verbunden werden.

Es ist bemerkenswert, dass Behaghel die Friedenskirche zwar als Zentralbau entwickelt hat. In der Anordnung der Gemeinde und der Ausrichtung der Kirche ist er aber doch dem alten Grundriss der Kathedrale oder Basilika verhaftet geblieben.

Mit der Renovierung wird sich das nun ändern. Das Konzept für die neue Friedenskirche sieht vor, dass sich die feiernde Gemeinde um den Altar versammelt. In der neuen Friedenskirche wird die Feier des Abendmahls tatsächlich sich „inmitten der Gemeinde vollziehen“ – was bisher nicht möglich ist. Und wie in These 4 gefordert, werden mit der neuen Stufenanlage erstmals wieder Altar, Kanzel und Orgel „organisch verbunden“.

Das Konzept der neuen Friedenskirche geht behutsam mit der Vergangenheit und Tradition der Friedenskirche um und stärkt den Raum als einen zeitgemäßen Gottesdienstraum.

Grundriss EG

Die neue Vielfalt der Friedenskirche (Teil 2)

In loser Folge stellen wir hier vor, wie die neue Friedenskirche in Zukunft die Vielfalt unserer Gottesdienste stärken und unterstützen wird.

Heute geht es um mögliche Varianten für kleine Gottesdienste und Andachtsfeiern. Seit einigen Jahren schon feiern wir in der Friedenskirche regelmäßige Abendandachten in einem schlichten kleinen Rahmen. Zum Beispiel die täglichen Andachten in der Adventszeit oder – ganz ähnlich – in den sechs Wochen vor Ostern jeweils mittwochs abends eine Passionsandacht.

Diese Andachten werden von Mitgliedern der Gemeinde gestaltet. Die Kirche wird von Kerzenlicht erleuchtet. Die Formen sind vielfältig. Oft wirken kleine Chöre oder musikalische Ensembles mit.

Diese Andachten sind eine Oase der Stille und ein Moment der Besinnung im oft unruhigen Alltag. Ein wohltuende Auszeit.

Auch die Kinder aus unseren Kindergärten feiern regelmäßig kleine Gottesdienste in der Kirche.

Gegenwärtig verlieren sich manchmal die Besucher der Andachten in den festen Bankreihen. In der neuen Friedenskirche haben wir die Möglichkeit, den kleinen Gottesdienstformen einen eigenen Raum zu gestalten.

Andacht Halbkreis

Im Halbkreis um Altar und Taufstein laden rund 70 Plätze ein zur Andacht. Alle sind nahe beim Altar. Die Sitzordnung lädt ein zu Stille und Konzentration. Und doch ist genügend Raum gegeben, dass jeder die Andacht auch als persönlichen Ort des Rückzugs erleben kann.

Andacht oder kleiner Gottesdienst um Altarinsel

Auch in dieser zweiten Anordnung der Stühle für kleine Gottesdienste wird Nähe und Konzentration möglich. So könnte die Kirche zum Beispiel auch für einen Trau-Gottesdienst gestaltet sein. Freunde und Verwandte sind nahe beieinander und nehmen das Paar in ihre Runde auf.

Das letzte Konzert in diesem Jahr

Wenn Sie vor der Schliessung der Kirche noch einmal der bewährten Akustik und wunderbarer Musik nachhängen möchten, können Sie dies am 12. Februar um 20.00 tun.

Die Heidelberger Kantorei unter der Leitung von Bernd Stegmann führt vier Bach-Motetten auf:

– Singet dem Herrn ein neues Lied
– Der Geist hilft unser Schwachheit auf
– Fürchte dich nicht , ich bin bei dir
– Komm, Jesu, komm

Herzliche Einladung auch zum nächsten Konzert der Kantorei der Friedenskirche. Am 26. März 2011 wird Händels Brockes-Passion in der Peterskirche aufgeführt.

Eine gute Gelegenheit, die Friedenskirche auch kirchenmusikalisch in die Renovierungspause zu entlassen.

Herzlich willkommen!