Es geht weiter!

Nach Verschnauf- und Osterpause geht nun die Planungsarbeit für die Innenrenovierung der Friedenskirche wieder weiter. Zweimal hat sich der Baukreis „am Modell“ getroffen. Zunächst ging es noch einmal um die genauen Maße der Stufenanlage, die ja im Vergleich zum Modell sowohl seitlich als auch nach vorne hin etwas schmaler bzw. kürzer werden soll. Seitlich sollen die Einfassungen der beiden Türen in der Altarwand vollständig frei sichtbar sein, nach vorne hin soll das Altarpodest um ca. 30 cm zurückgenommen werden. Auch die zahlreichen Rückmeldungen und persönlichen Erfahrungen aus den Baustellenführungen mit ihren Gottesdiensten wurden ausgewertet und besprochen. (Davon werden wir hier noch einiges gesondert veröffentlichen)

Zentrales Thema ist derzeit aber die Gestaltung der Prinzipalien, also vor allem Altar und Kanzel, dazu der Taufstein und das Kreuz. Ein intensiver Austausch über theologische, liturgische, architektonische und künstlerische Fragen.

Bisherige Planungsvorgabe war: Altar und Kanzel sollen „gewichtig“ sein, aber sie sollen bei Bedarf auch transportabel sein, um etwa Platz zu schaffen für einen Chor und großes Orchester. Aber was heißt das für die konkrete Gestaltung?

Architekt Armin Schäfer von der Wieblinger Architekten-ag stellt den Baukreis-Mitgliedern Konzepte und Materialien für Altar und Kanzel vor

Möglichst präzise haben die Mitglieder des Baukreises mit den beiden Pfarrern versucht, Erwartungen, Anforderungen und Vorstellungen in Worte zu fassen. Architekt Schäfer präsentierte zwei unterschiedliche Lösungsansätze. Wie „leicht“, wie transparent kann oder darf ein Altar sein? Ist der Altar an sich ein heiliger Ort oder nur dann, wenn ein Liturg an ihm wirkt und die Gemeinde Gottesdienst feiert? Was ist mit dem Kirchenraum, wenn der Altar hinausgetragen wird?

Begriffe wie: ernst, warm, wertig, freundlich, kraftvoll, konzentrierend werden in der Runde erwogen. Einladend soll der Altar sein, die Gemeinde feiert um seine Mitte Gottesdienst. Aber er soll auch Kraft ausstrahlen und die Würde des Raums repräsentieren, wenn nur ein einzelner Besucher unter der Woche den Kirchenraum aufsucht.

Material- und Farbproben, Skizzen, Beschreibungen: Liturgische, künstlerische und architektonische Aspekte zur Gestaltung von Altar und Kanzel, Taufstein und Altar.

Was befindet sich eigentlich – alltags wie bei Gottesdiensten – auf dem Altar? Die Bibel, Kerzen. Blumen? Das Abendmahlsgeschirr. Wie kommen die liturgischen Farben des Kirchenjahres vor?

Dunkle Bodenfliesen, helle Altarstufe, Holz, Textil: Farb- und Materialproben

Nach mehr als fünfstündigen Gesprächen in zwei Sitzungen ist die Rolle des Altars gut umschrieben. Jetzt steht eine ähnliche Klärung an für die Kanzel, für die künstlerische Gestaltung der Stufenanlage sowie für den „Ort der Stille“ im Eingangsbereich der Kirche an. Erst wenn die gesamte Stufenanlage mit Altar und Kanzel sowie Kreuz ausreichend beschrieben ist, reden wir über konkrete Gestaltungsvorschläge. Damit die neue Friedenskirche ein einheitlicher geistlicher Raum wird – einladend und stärkend.

Der unmittelbar nächste Schritt steht aber nun an: Das Modell der Stufenanlage wird jetzt abgebaut.

Wir holen Luft

Warum ist es so still geworden im Blog mögen sich einige fragen. Nach der Gemeindeversammlung war es gut zu spüren, die Anspannung, das große ‚Puuh‘. Welche Arbeit die letzten Monate für die Hauptamtlichen und den Ältestenkreis und viele andere bedeutet haben, das wurde erst nach der Gemeindeversammlung klar.

Wir haben Ostern gefeiert. Wir verschnaufen.

Dass diese extreme Anspannung sich während der Gemeindeversammlung auch in Freude geäußert hat ist nur verständlich. Wenn ein RNZ-Leser hier ungebührliches Verhalten angemahnt hat, dann möge dieser sich einmal an frühere Gemeindeversammlungen erinnern. Retrograde Amnesie?

Der Ältestenkreis wird in den kommenden Wochen und Monaten viel Arbeit haben. Die Planungen der Gewerke und die Ausschreibungen mit den Architekten laufen, es ist Vieles liegengeblieben, ja musste liegen bleiben die letzten Monate. Über alles was sich in der nächsten Zeit tut, werden wir Sie weiterhin informieren.

Dass noch weitere Eigenleistungen der Gemeinde anstehen (beispielsweise das Entknarren der Emporendielen), ist ja schon bekannt und wird frühzeitig bekannt gegeben. Lassen Sie sich diese einmaligen Gelegenheiten nicht entgehen. Warum? Fragen Sie Menschen, die im Februar dabei waren. Es lohnt sich – nicht nur kulinarisch.

Wir möchten an dieser Stelle auch bildlich vom Baufortschritt berichten, wann immer es  Berichtenswertes gibt.

Bleiben Sie dran!

Die Gemeindeversammlung bestätigt das Stufenmodell

Auf der Gemeindeversammlung vom 19. April konnten sich gegen die geplante Renovierung gerichtete Anträge nicht durchsetzen. Mit großer Mehrheit wurden sie abgelehnt. Damit kann nun die Planung, wie bereits vom Bauausschuss der Stadtsynode beschlossen nun komplett umgesetzt werden.

Wie schon an anderer Stelle beschrieben, gibt es weiterhin viel zu tun: Die Gemeinde wird, um Kosten zu senken im Verlauf des Jahres weitere Eigenleistungen erbringen. Dadurch werden wir einige Zehntausend Euro einsparen. Weiterhin sind noch etliche Entscheidungen im Bezug auf die Prinzipalien zu treffen. Auch sind vielerlei Anregungen aus den Baustellenführungen eingegangen, die vom Planungsgremium ausgewertet werden. Nicht zuletzt die Frage der Bestuhlung ist final zu entscheiden. Das Wort ‚Bestuhlung‘ ist hier richtig, denn die Baustellenumfragen haben eine klare Präferenz für Stühle (statt Bänke) ergeben. Auch die Voten für die Stufenanlage, die auch in der Gemeindeversammlung deutlich wurden, sind in den Rückmeldebögen (noch viel deutlicher) zu sehen. Die Ergebnisse der Umfragen werden wir hier bald auch veröffentlichen.

Bleiben Sie im Blog dabei, denn auch in den nächsten Wochen und Monaten gibt es hier viel Spannendes und Wichtiges zu berichten!

Ein persönlicher Rückblick

Mit dem Aufstellen des 1:1 Modelles und dem ersten Ausprobieren des Kirchenraumes schließt sich für mich ein Kreis, der vor vier Jahren begann (obwohl der Ältestenkreis schon seit über 10 Jahren sich immer wieder mit der anstehenden Renovierung beschäftigt hatte). Ich war 2007 Teil des Entscheidungsgremiums beim Architektenwettbewerb und habe die Vorbereitungen dazu ebenfalls mit auf den Weg gebracht.

Ich möchte an dieser Stelle einige persönliche (!) Gedanken zu den letzten vier Jahren, seit denen wir über das Konzept der neuen Friedenskirche diskutieren und streiten, formulieren.

Viele Menschen haben sich mit großer Ernsthaftigkeit und Herzblut an dem Projekt beteiligt. Dies gilt quer durch alle ‚Lager‘. Diesen Menschen gilt mein ausdrücklicher Dank und meine Bewunderung.

Einige wenige haben versucht, Ihre (negative) Meinung auf äußerst unfeine Art zu äußern. Beleidigungen, die durchaus justiziabel sind, man blättere mal im Blog abwärts, wurden sehr öffentlich aber auch in privaten Briefen in die Welt gesetzt. Wir haben uns dem bislang ausgesetzt, auch wenn es für einige über die Belastungsgrenze ging. Dem Hass  dieser Briefe innerhalb einer evangelischen Gemeinde stehe ich – immer noch – fassungslos gegenüber.

Zeit, Herzblut und Kraft für eine ehrenamtliche Tätigkeit kann ich nur aufbringen wenn ich von der Sache selbst überzeugt bin und wenn es Menschen gibt, für die sicher dieser Aufwand rechtfertigen lässt. Glücklicherweise gibt es in der Friedensgemeinde viele von ihnen!

Die positiven Voten für unsere Arbeit der letzten Jahre, die gerade in den Tagen seit dem Beginn der Baustellenführungen massiv überwiegen (be)stärken mich. Diese oft leisen Stimmen sind eine Kraftquelle.

Über den Streit selbst ist das meiste bereits gesagt. Diesen Eindruck, und auch eine gewisse Müdigkeit, die immer selben Argumente wieder zu bewegen, habe ich bei etlichen Gemeindegliedern feststellen können. Es ist (noch) nicht gut, aber es ist genug! Es bleibt noch Vieles zu tun in der Gemeinde, und mit der Freude auf das, was wir gerade in der Baustelle sehen können, wird das gut gelingen. Die Friedensgemeinde ist stark.

Argumente, die über ‚Gefällt mir nicht‘ hinausgehen, kann ich schon lange nicht mehr erkennen. Über das ‚Gefallen‘ ohne Sachargumente lässt sich schwerlich demokratisch abstimmen. Dagegen erkenne ich ein hilfloses Suchen neuer Gegenargumente einiger weniger, die ihren Kampf gegen die Windmühlen nicht aufgeben möchten – aus Gründen über die ich nur spekulieren kann. Und das werde ich öffentlich nicht tun – ebenfalls im Gegensatz zu Anderen, die genau zu wissen scheinen, und dies auch öffentlich kundtun, was meine eigene Motivation ist. Woher wissen dies Leute, die nie mit mir gesprochen haben, und die mich gar nicht kennen?

Was bleibt? Die Friedenskirche wird sich verändern, das wird Einige schmerzen, andere freuen. So wie jede Veränderung schmerzt, zunächst. Andere Menschen jedoch werden Kirche neu, oder überhaupt erst einmal erleben. Zwei Dinge machen mich sehr optimistisch: Erstens der letzte Gottesdienst in der Friedenskirche im Februar. Hier waren Alt und Neu direkt in einem Gottesdienst beieinander, trotz aller Unterschiede. Wer dort war hat gemerkt, hier feiert eine lebendige Gemeinde, denn Trauer und Freude, wo gibt es das schon, finden auf natürliche Weise eine Heimat.  Zweitens die Abbrucharbeiten in der Kirche im Februar und März. Menschen, die Steine schleppen, Staub fegen, Holz sägen und für alle zusammen kochen. Alt und jung, stark und schwach, Männer, Frauen, Kinder. Und bei allen zusammen ein starkes Gefühl etwas Positives zu ‚schaffen‘. Solche Erfahrungen sind stark. Das baut Gemeinde.

Ich wünsche mir, dass der Rest des Projektes, bei dem noch Vieles zu tun bleibt, in großer Freude und Ernsthaftigkeit abläuft. Ich wünsche mir, dass weiterhin Trauer und Freude ihren Raum behalten. Ich wünsche mir, dass der persönliche Umgang miteinander wieder dem Namen dieser Gemeinde entspricht!