Falscher Trauerrand

Am 18. Februar schrieb Initiativen-Begründerin Christiane Schmidt-Sielaff in einem Leserbrief an die RNZ, die Abstimmung in der Gemeindeversammlung könne „Grundlage für den Beginn des Friedensprozesses“ in der Gemeinde werden. Voraussetzung sei, dass das Votum vom unterlegenen Teil „als endgültiger Gemeindewille akzeptiert“ werde. Wann endlich lassen die Initiativen gegen den geplanten Umbau der Friedenskirche ihren Worten auch Taten folgen? Statt dessen gab es jetzt wieder ein Flugblatt zu lesen in Handschuhsheim, eine Stellungnahme für die Initiativen von Frau Dr. Köhler und Herrn Haßlinger. Ein Flugblatt mit fettem Trauerrand, das in der Forderung nach „neuen Personen in der Gemeindeleitung“ gipfelt. Also die Absetzung von Pfarrern und Ältesten. Ich frage: Warum dieses schändliche und boshafte Nachtreten?

Köhler und Haßlinger schreiben, sie seien traurig über das „Triumphgeschrei der Modernisierer“. Ich will an dieser Stelle nur daran erinnern, dass die Abstimmung in der Gemeindeversammlung vom 6. Juli 2008 (übrigens mit 75:56 gegen die Stufenanlage deutlich schwächer und knapper als das jüngste Votum der Gemeindeversammlung am 19. April) seitens der Stufengegner mit lautem Gejohle, Beifall und Fußgetrampel auf den Holzpodesten in der Kirche und mit Halleluja-Rufen(!) quittiert wurde. Schon vergessen? Demgegenüber war der kurze Beifall nach der Abstimmung doch eher verhalten – jedenfalls kein „Triumpfgeschrei“. Und: Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Vertreter der Initiativen, wäre das Votum der jüngsten Gemeindeversammlung anders ausgefallen, demütig schweigend den Saal verlassen hätten.

Köhler und Haßlinger behaupten, weder die Vertreter der Landeskirche noch die Dekanin noch Pfarrer oder Kirchenälteste hätten ein Wort an die Unterlegenen gerichtet. Dies ist nicht wahr. Sowohl OKR Vicktor als auch Dekanin Schwöbel haben unmittelbar nach Ende der Veranstaltung die Vertreter der Initiativen persönlich angesprochen. Pfarrer Hirsch hat unmittelbar nach der Gemeindeversammlung in einem e-mail-Rundschreiben betont, es gehe jetzt um die Integration der verschiedenen Seiten. Und er hat dies auch zum Thema seiner Predigt am ersten Sonntag nach der Gemeindeversammlung gemacht. Aber da weder Frau Köhler noch Herr Haßlinger unsere Gottesdienste besuchen, ist ihnen dieses natürlich entgangen. Der Ältestenkreis hat auf seiner ersten Sitzung nach der Gemeindeversammlung ebenfalls festgelegt, dass es in Gesprächen und weiteren Gemeindeaktivitäten darum gehen muss, neue Brücken zu schlagen. Ich selbst habe das hier im Blog auch im Blick auf das anstehende Gemeindefest beschrieben.

Im übrigen beginnen Hauptamtliche und Kirchenälteste nicht erst jetzt mit Versöhnungsbemühungen. Wir haben damit schon vor mehr als zwei Jahren auf verschiedenen Ebenen begonnen. Im vergangenen Jahr gab es im Sommer noch einmal eine besondere Initiative mit zahlreichen persönlichen Gesprächen und einigen größeren Gesprächsrunden. Ältestenkreis und Hauptamtliche haben sich im Blick auf Versöhnungsbemühungen nichts vorzuwerfen! Die eigentliche Frage lautet jetzt: Welchen Beitrag wollen eigentlich die Vertreter der Initiativen zum Friedensprozess leisten? Die jüngste Stellungnahme, die in der verklausulierten Rücktrittsforderung an Hauptamtliche und Älteste mündet, ist das klare Gegenteil davon. Hier wird Öl ins Feuer gekippt.

Was den Kompromissvorschlag der Initiativen zur jüngsten Gemeindeversammlung angeht, hatte ich mich weiterer Kommentare enthalten wollen. Die Gemeindeversammlung hatte den Vorschlag diskutiert und abgestimmt. Ich wollte da nicht nachtreten. Nun behaupten Köhler und Haßlinger erneut, damit sei eine „Chance für einen Kompromiss vertan“ worden. Dazu erstens eine sachliche Anmerkung: Die Initiativen hätten sich „dem Wunsch nach einer besseren Präsentation vor allem der Kinderchöre“ nicht  verschlossen, so heißt es. Nur: Diesen Wunsch gab es nie! Sinn der Stufenanlage war zu keinem Zeitpunkt die bessere Präsentation der Kinderchöre. Es ist erschütternd, dass über vier Jahre die Vertreter der Initiativen penetrant bei ihrer Falschdarstellung geblieben sind. Bis zum heutigen Tag. Können oder wollen sie den Sinn der Planungen nicht verstehen? Die Besucher der Kirchenbegehungen am Modell haben jedenfalls verstanden und ihre Zustimmung klar und eindeutig ausgedrückt. Und zweitens eine praktische Anmerkung: Ich hätte gerne gewusst: Wer sollte eigentlich ganz praktisch jeweils vor einem Gottesdienst die Stufenanlage aus beweglichen Teilen auf- bzw. wieder abbauen? Ich habe als Chorsänger in meinem Leben genug Chorpodeste aufgebaut um zu wissen, wie viel Arbeit das ist. In der Regel sind viele Chorsängerinnen und -sänger damit gut eine Stunde beschäftigt. Wer sollte diese Arbeit immer wieder leisten? Allein aus praktischen Erwägungen ist der Kompromissvorschlag vollständig undenkbar – und erweist sich damit als Schein-Kompromiss, der letztlich nur das Ziel verfolgte, die gegenwärtigen Planungen zu kippen.

Köhler und Haßlinger behaupten, die Stufenanlage sei ein Symbol für die Umgestaltung der Gemeinde, es gehe nur noch um die „Zielgruppe“ junger Familien. Bisher treuen und beständigen Gemeindegliedern werde das Gefühl vermittelt, dass sie mit ihren Bedürfnissen nicht mehr wahr- und ernstgenommen werden. Auch diese Behauptung ist vollständig unwahr. Wie oft soll eigentlich diese Lüge noch verbreitet werden? Es gibt keine einzige Aussage oder gar einen Beschluss des Ältestenkreises, dass die Gemeindearbeit auf eine einzige Zielgruppe ausgerichtet werden soll. Es gibt keinen Umbau der Gemeinde, wohl aber ein verantwortungsvolles Nachdenken über Gemeindeentwicklung und Gemeindeaufbau. Und wiederum: Wie können eigentlich Frau Dr. Köhler und Herr Haßlinger beurteilen, wen unsere Gottesdienste alles ansprechen, da sie selbst kaum daran teilnehmen? Es ist infam, unseren Pfarrern und Ältesten eine solche Engführung zu unterstellen. Ich weise das hier für die Hauptamtlichen und den Ältestenkreis in aller Form zurück.

Von einer „Abstimmung mit den Füßen in Richtung auf die Nachbargemeinden“ sprechen Köhler und Haßlinger. Da hilft wohl mal ein Blick in die Zahlen weiter:

Die Zahl der Kirchenaustritte ist im vergangenen Jahr (2010) gesunken gegenüber dem Vorjahr, die Zahl der Kircheneintritte ist gestiegen. Die Friedensgemeinde hatte im Jahr 2010 5.885 Gemeindeglieder – das sind 21 mehr(!) als im Vorjahr. Zum ersten mal seit 2004 hatten wir wieder einen Zuwachs(!) an Gemeindegliedern. Die Friedensgemeinde ist eine lebendige Gemeinde, die viel weniger gespalten ist, als es die Initiativen immer wieder behaupten. Eine Gemeinde, in der sich immer wieder auch neue Gemeindeglieder beheimaten – gerade weil sie die engagierte und zielbewusste Arbeit der Hauptamtlichen und der Ältesten zu schätzen wissen. Und das drückt sich auch in unseren Einnahmen aus: Die Einnahmen aus Kollekten im Gottesdienst sind – wie der gerade fertiggestellte Jahreabschluss 2010 ergibt – im vergangenen Jahr gestiegen.

Hauptamtliche und Kirchenälteste engagieren sich für eine lebendige Friedensgemeinde, in der auch streitende Positionen eine Heimat finden. Versöhnte Verschiedenheit – das ist unser Ziel! Die bemerkenswert sachliche Gemeindeversammlung hat – nicht einmal so sehr mit ihrem abschließenden Votum, sondern vielmehr in ihrer Art der fairen und sachlichen Auseinandersetzung – eine gute Grundlage dafür gelegt. Dies lassen wir uns auch nicht von den falschen und unfairen Stellungnahmen der Initiativen zunichte machen.

Veröffentlicht von Lothar Bauerochse

Mitglied im Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit der Friedensgemeinde.

4 Kommentare zu „Falscher Trauerrand

  1. Man muss nicht mehr Mitglied der Friedensgemeinde sein und auch keine Gottesdienste dort besuchen, um zu sehen, welche Fehler die Gemeindeleitung dort immer noch macht. Dazu genügt ein Blick auf den Beitrag im Internet vom 2o.6. von Dr. Bauerochse, der ja als Vorsitzender für den Kirchengemeinderat spricht.
    Da ich darin angesprochen werde, möchte ich mich auch dazu äußern.
    1. Der Artikel zeigt: Nach wie vor gibt es keine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Argumenten andersdenkender Gemeindemitglieder- hier den Initiativen – . Stattdessen werden sie wieder ausgegrenzt und beschimpft, das Recht auf Kritik wird ihnen abgesprochen. Die Verwendung abwertender Formulierungen wie „boshaft“, „schändlich“, „nachtreten“, „penetrante Falschdarstellungen“, „vollständig unwahr“, „Lügen“ etc. fallen auf den Verfasser zurück. Weshalb ist es für ihn so unmöglich, einmal darüber nachzudenken, ob nicht viel Richtiges ist an dem, was die Initiativen ( und nicht nur sie alleine ) kritisieren. Ich habe jedenfalls nichts Unwahres an dem Flugblatt gefunden.
    2. Der Wunsch nach einer „besseren Präsentation von Kindern“ kam von Eltern, Kantor und Kindergottesdienstgruppe. Es ist nicht gut vorstellbar, dass Herr Bauerochse dies nicht mitbekommen haben soll. Und dass es sich in besonderer Weise um eine Chortreppe handelt, haben ja auch gerade die Präsentationen auf dem Schaugerüst gezeigt.
    3.Ein besonderer „Treppenwitz“ ist es, dass jetzt doch noch die von Dr. Bauerochse geschmähten Podien angefertigt und bei Bedarf auf die Stufen (!) gestellt werden sollen.
    4. Eine Forderung nach Rücktritt ist nichts Unanständiges. Nach vergleichbar großen Konflikten in der Gemeinde ( Auseinandersetzung um die Schreiterfenster in der Heiliggeistkirche, Umbaupläne in der Christuskirche ) fand anschließend ein Wechsel von Personen der Gemeindeleitung statt. Dies ist ein übliches, auch sinnvolles und nicht nur in Heidelberg geübtes Verfahren, eine Befriedung der Gemeinde zu erreichen.
    5. Eine Bringschuld für Friedensbemühungen haben diejenigen, die gesiegt und ihre Beschlüsse um den Preis der Spaltung der Gemeinde kompromisslos durchgesetzt haben, nicht aber diejenigen, die vor diesem Vorgehen gewarnt haben.
    6. Richtig ist es allerdings, dass die Gegner des Umbaus in der Gemeinde sich jetzt mit der Stufenanlage abfinden sollten. Denn es nutzt nichts, verlorene Schlachten weiterzuschlagen.
    Man muss nach Vorne schauen.
    7. Man darf darauf gespannt sein, ob das angekündigte „Nachdenken über Gemeindeentwicklungen und Gemeindeaufbau“ auch offen mit der Gemeinde selbst geführt wird
    Christiane Schmidt- Sielaff

    1. Wir sind jetzt bei Kommentar Nr. 163 angekommen. Und wie vorher wird sich bei den Hunderten von Lesern bei Zeilen wie den obigen nurmehr Irritation oder bleierne Müdigkeit einstellen.
      Solcherlei Zeilen sind nicht nach vorn schauend sondern schlicht unnütz und – wie schon dutzende Mal zuvor – zerstörend. Das muss doch nicht sein. Es gibt doch so Vieles anderes für das man seine Energie einsetzen kann. Zum Beispiel für das Gemeindefest am 3. Juli. Dazu sind auch ehemalige Gemeindeglieder herzlich eingeladen. Von bleierner Müdigkeit ist dort keine Spur!

  2. Danke für diesen langem Kommentar, auch wenn der Grund dafür unschön ist. Ich kann mich dem Beitrag inhaltlich aber nur anschließen. Außerdem finde ich die Zahlen interessant, sie decken sich mit meinen Beobachtungen.

    Viele Grüße,
    Philipp

    1. Ich habe das erwähnte jüngste Flugblatt der Initiativen nicht gesehen, daher auch nicht gelesen. Bis zum Beweis des Gegenteils gehe ich aber davon aus, dass die wichtigsten Punkte durch Herrn Bauerochse inhaltlich korrekt und nicht verzerrt wiedergegeben worden sind. Davon ausgehend schließe ich mich ihm und meinem Vorschreiber vollinhaltlich an. Mir bleibt wirklich die Spucke weg. Ich war auf der GV vom 19.4. und kann z. B. bestätigen, dass die – kurze! – Explosion eines „Ja!“ nach Verkündung des Abstimmungsergebnisses von Herrn Dr. Schaefer umgehend scharf gerügt wurde. Von anhaltendem Triumphgeheul keine Spur. Ferner bestätige ich, dass alle Gemeindeglieder und ausdrücklich auch die in der Abstimmung Unterlegenen von mehreren Seiten und Personen angesprochen und ihr Engagement gewürdigt wurde(n).

      Es bleibt nur der Appell, zur längst weiter gegangenen Tagesordnung zurückzukehren. Die Zahlen sprechen für sich.

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