Im Gespräch mit Karl Wolff

In einer Welt voller heimatloser Menschen
hat es Sinn, Vertrautes zu pflegen

Pfarrer i.R. Karl Wolff ist Ende Oktober vom Vorsitz im Evangelischen Männerverein Heidelberg-Handschuhsheim aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Sein Abschied bedeutet eine Zäsur und das Ende einer Ära für den Verein. Rüdiger Runge hat für uns mit Karl Wolff über die zurückliegenden Jahre und die Arbeit im Männerverein gesprochen.

Wann bist Du nach Handschuhsheim gekommen? Was hat Dich als bayerischen Pfarrer, der lange im hannoverschen Loccum und im Saarland tätig war, nach Heidelberg geführt?

Im Singkreis der Friedensgemeinde habe ich 1961 während meines Studiums am Diakoniewissenschaftlichen Institut meine Frau kennengelernt. Zu den Schwiegereltern in der Biethsstraße hatten wir dann all die Jahre eine sehr herzliche Verbindung, und über sie und die alten Singkreisfreunde riss auch der Kontakt zur Kirchengemeinde nie ab, nicht in meiner Vikarszeit in München, nicht in meiner Zeit an der Evangelischen Akademie Loccum, nicht im Pfarramt in der Evangelischen Kirche im Rheinland, wo die Nähe der Heidelberger Verwandtschaft mit ein Anlass war, vom Ruhrgebiet ins Saarland umzuziehen, die südlichste Ecke der rheinischen Kirche.

Karl Ausschnitt
Pfarrer i.R. Karl Wolff zieht Bilanz nach 13 Jahren im Vorsitz des Evangelischen Männervereins

Wie und wann bist Du zum Ev. Männerverein in Handschuhsheim gestoßen und hast dessen Vorsitz übernommen?

Als mein Schwiegervater, Martin Schlechter, 1975 Vorsitzender im Männerverein wurde und ein Besuch des Männervereins in meiner saarländischen Kirchengemeinde einen Gegenbesuch auslöste, war mein späterer Weg in den Männerverein schon fast vorgezeichnet. Nach dem Tod der Schwiegereltern und mit Eintritt in den Ruhestand durfte ich 1999 die sanierte Wohnung in der Biethsstraße beziehen, und ab 2000 bezeugen meine Eintragungen im Terminkalender meine Mitgliedschaft im Männerverein. Zu dessen Vorsitzendem wurde ich auf der Jahreshauptversammlung im Februar 2002 gewählt.

Was waren die Höhepunkte dieser Jahre?

Sicherlich die Jahresausflüge mit ihrer Geselligkeit. Ich denke an Kloster Bronnbach und Wertheim, an die Rheinfahrt zur Loreley, an die Fahrt nach Trier, zum Weltkulturerbe Völklinger Hütte und zur Saarschleife und an die Fahrt ins Elsass nach Marmoutier und Saverne. Höhepunkte waren natürlich auch das 100 jährige Jubiläum des Männervereins im Jahr 2013 – und die Beiträge des Vereins zum Jubiläum 1250 Jahre Handschuhsheim: „Der Einfluss der Heiligenbergklöster auf das Leben in Handschuhsheim“ und zuletzt in diesem Jahr die Ökumenischen Abende zur Geschichte der Handschuhsheimer Kirchengemeinden in der Zeit des Nationalsozialismus.

Gab es auch Tiefpunkte?

Enttäuschungen waren der schwache Besuch mancher Veranstaltungen, auch wegen fehlender Präsenz von Pfarrern und Kirchenältesten – bis auf wenige Ausnahmen. Zeitweise führte dies zur Überlegung, den Verein nach der Hundertjahrfeier aufzulösen. Die Altersstruktur unserer Mitglieder und auch der Name des Vereins stellten die Zeitgemäßheit unserer Arbeit immer wieder in Frage. Die Veranstaltungen in den beiden Jubiläumsjahren hingegen ermutigten uns zum Weitermachen.

Profil_2

Über das Auf und Ab der Arbeit in Deiner Amtszeit als Vorsitzender hinaus: Wie haben sich generell in den zurückliegenden 15 Jahren die Friedensgemeinde und der Evangelische Männerverein verändert?

Die Kirchengemeinde wurde jünger. So erfreulich das ist: Es erschwert das Gewinnen für ehrenamtliche Tätigkeiten, vor allem in Verbindung mit der zunehmenden beruflichen Anspannung vieler Gemeindeglieder.
Im Männerverein wurde die Satzung 2006 überarbeitet. Bemerkenswert ist die Fußnote „Die in dieser Satzung verwendeten männlichen Amtsbezeichnungen schließen Amtsinhaberinnen ein“. Als Novum in seiner Geschichte hat der Verein jetzt regelmäßig ein weibliches Vorstandsmitglied, was auch der Tatsache Rechnung trägt, dass in unseren Veranstaltungen die Besucherinnen immer in der Überzahl sind.
Bewährt hat sich die Kooperation mit der Seniorenbegegnungsstätte Dossenheim in der Planung und Durchführung der Jahresausflüge. Um die Nachfrage mussten wir uns nicht mehr sorgen.

Was war Dir an der Arbeit im Männerverein besonders wichtig? Welchen Chancen, aber vielleicht auch Probleme siehst Du für seine Zukunft?

Interkonfessionelle Gespräche, etwa mit Mennoniten in Bammental, Aramäern in Leimen und mit Quäkern, waren interessante Abende, die uns nach dem für uns unverzichtbaren Glaubensinhalt fragen ließen – ebenso wie unsere Besuche in der Heidelberger Synagoge und in der Moschee in Rohrbach.
Ganz selbstverständlich für unsere Arbeit in Handschuhsheim sind heute die mit dem Katholischen Männerkreis von St. Vitus praktizierte Ökumene und die schon zur Institution gewordenen gemeinsamen Abende, meist im April und November. Darauf aufbauend könnte künftig zum Beispiel das Gespräch mit syrischen Christen eine neue Herausforderung bedeuten.
Für die Wirkung des Vereins innerhalb und außerhalb der Kirchengemeinde – und auch im Blick auf die notwendige Verjüngung seiner Mitgliedschaft – wird es wichtig sein, welchen Namen er sich gibt. Vielleicht könnte etwa ein Preisausschreiben über Schaukästen und Gemeindebrief zu einem überzeugenden Ergebnis führen.

Besucher
Zahlreiche Gäste bei der Verabschiedung von Pfr. i.R. Karl Wolff

Möchtest Du zu Deinem Abschied dem Evangelischen Männerverein etwas mit auf den Weg geben?

Das hinter uns liegende halbe Jahr hat deutlich werden lassen, wie wichtig es für unseren Verein ist, sich seines weltanschaulichen Standortes bewusst zu sein. Die politischen Wirrnisse weltweit nötigen uns dazu. In einer Welt voller heimatloser Menschen hat es Sinn, Vertrautes zu pflegen. Ein Bespiel dafür ist die im Dezember bevorstehende Adventsfeier, wie ja überhaupt der Turnus monatlicher Veranstaltungen bislang stets zum Erscheinungsbild unseres Vereins in Handschuhsheim gehört hat.
Dem Vorstand danke ich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in all den Jahren. Ich wünsche seinen jetzigen und künftigen Mitgliedern Fantasie, Kraft, Ausdauer und ein einvernehmliches Aufteilen aller anfallenden Aufgaben, getreu der Jahreslosung für 2015: „Nehmt einander an, wie Christus uns angenommen hat.“

Veröffentlicht von Lothar Bauerochse

Mitglied im Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit der Friedensgemeinde.

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