Verzicht auf Ausschreibung

Die wichtigsten Gründe

Am 11. Februar hat der Ältestenkreis intensiv und in Anwesenheit von Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug über die anstehende Besetzung der zweiten Pfarrstelle der Friedensgemeinde beraten. Dabei galt es auch, eine Entscheidung über das Besetzungsverfahren zu treffen (vgl. Beitrag in diesem Blog). Der Ältestenkreis hat in geheimer Abstimmung entschieden, auf eine Ausschreibung der Pfarrstelle zu verzichten. Statt dessen wird der Evangelische Oberkirchenrat (EOK) gebeten, eine geeignete Person für die Besetzung der Pfarrstelle vorzuschlagen. Diesem Besetzungsvorschlag muss der Ältestenkreis dann zustimmen.

Friedenskirche bestuhlt-012In einem Schreiben an den Evangelischen Oberkirchenrat haben in dieser Woche der Vorsitzende des Ältestenkreises, Axel Schimpf, und der geschäftsführende Pfarrer Gunnar Garleff die wichtigsten Gründe für diese Entscheidung folgendermaßen erläutert:

 

  1. Die Friedensgemeinde Handschuhsheim ist nach bewegten Jahren in einer Situation des Aufbruchs. Die vergangenen zwei Jahre hat das Pfarrteam dazu genutzt, die jeweiligen pfarramtlichen Aufgaben zu schärfen. Diese Erfahrungen sind in eine Profilierung der Pfarrstellen geflossen, die Grundlage für eine Besetzung sein soll. Der Ältestenkreis und der Gemeindebeirat haben sich dieses Stellenprofil bereits zu Eigen gemacht. Der Gemeindeversammlung soll es am 1. März 2015 vorgestellt werden mit der Option, dass Rückmeldungen aus der Gemeindeversammlung Berücksichtigung finden können.
  2. Im Unterschied zur Situation der Ausschreibung im Jahr 2012 hat sich in den letzten Jahren auch das zukünftige Profil der Friedensgemeinde geschärft. Der Ältestenkreis hat dazu auf einer Klausur Ziele entwickelt. Der sonst oft mit der Ausschreibung einhergehende Wunsch nach Veränderung und Neustart, ist in der Friedensgemeinde daher nicht in dem Maße vorhanden. Vielmehr suchen wir eine Pfarrerin/einen Pfarrer, die oder der sich auf das erarbeitete Profil einlassen kann und in den Aufbruch mit eigener Dynamik und Kompetenz einsteigen kann. Zu dieser Entwicklung beigetragen hat auch, dass wir die Möglichkeiten und die Ausstrahlung der „neuen“ Friedenskirche inzwischen gut kennen.
  3. Die gegenwärtige Situation der Friedensgemeinde verlangt nicht nach langwierigen Entscheidungsprozessen und Vakanzen. Sondern wir wollen die Dynamik, die gerade im Bereich der Erwachsenenarbeit aufkeimt alsbald auch durch eine Pfarrperson fördern. Pfarrer Garleff ist für die Jugendarbeit zuständig und ist hier stark eingespannt durch den Aufbau der Arbeit mit schon Konfirmierten.
  4. Die Erörterung der beiden möglichen Besetzungsverfahren hat uns deutlich gemacht, dass eine Besetzung der vakanten Pfarrstelle zum 1. September bei einer Ausschreibung nur sehr unwahrscheinlich ist. Da Ausschreibungsfrist und Wahlverfahren ihre Zeit brauchen, so dass eine Wahl nur kurz vor oder gar erst in den Sommerferien stattfinden könnte, ein Wechsel zum 1.9. ist dann aber nicht mehr möglich. Wir würden dadurch aber einen großen Teil der gegenwärtigen Dynamik in der Gemeinde verlieren.
  5. Im Rückblick auf das gescheiterte Ausschreibungsverfahren 2012 wurde uns auch unter Betrachtung des Verlaufs anderer Ausschreibungsverfahren im Stadtkirchenbezirk Heidelberg bewusst, dass ein Ausschreibungsverfahren weder gleichzusetzen ist mit einem mehr an Gemeindetransparenz noch notwendig den Gemeindefrieden stärkt. Die Reaktionen auf das gescheiterte Verfahren 2012 haben uns gezeigt, dass mit Kritik an den Beschlüssen des Ältestenkreises immer zu rechnen ist und diese auch (nachhaltig) Unruhe produzieren können. Wir können mit solcher Kritik in der Gemeinde und der Gemeindeleitung umgehen.
  6. Unser Vertrauen, dass der EOK passende Kandidatinnen und Kandidaten für unser Profil zur Verfügung hat, resultiert aus unserem Eindruck, dass manche PfarrerInnen Bewerbungen auf Ausschreibungen scheuen, weil sie auch im Falle des Scheiterns mit einer gewissen Öffentlichkeit einhergehen. Theologisch ist eine Berufung durch Besetzungsverfahren u.E. auch ein starkes Zeichen.

Die Gemeindeversammlung am Sonntag, 1. März 2015, im Anschluss an den Gottesdienst wird ebenfalls über die Erwartungen an die neue Pfarrerin / den neuen Pfarrer beraten.

Veröffentlicht von Lothar Bauerochse

Mitglied im Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit der Friedensgemeinde.

5 Kommentare zu „Verzicht auf Ausschreibung

  1. Aus den weit gefassten vier Kriterien wurden im Lauf des Bewerbungsprozesses zwei Schwerpunkte derart verstärkt, dass e i n Bewerber – hätte er es zuvor gewusst – diese zurückgezogen hätte.
    Die neuerliche Entscheidung ist m.E. ein Reflex darauf.

    1. Auch das entspricht ja nicht den Tatsachen und wird der Komplexität eines solchen Entscheidungsprozesses unter mehreren Bewerbern, denke ich, nicht gerecht. Aber leider bleiben nach solch einem Verfahren Verstimmungen und Verletzungen. Auch daraus hat der Ältestenkreis in diesem Jahr seine Konsequenzen gezogen (siehe Punkt 6 der Erklärung).

      1. Wenn Worte, die gesprochen bzw geschrieben werden, jene Tatsachen sind…
        Aber Sie haben recht: es ist komplex.

  2. Wie wär’s, wenn die erwartungen an die neue Pfarrerin zuvor von der Gemeindeversammlung beraten und vom Ältestenkreis verbindlich beschlossen und dann auch im Bewerbungsverfahren publiziert würden? dann käme solch ein Wirrwar wir 2012 nicht wieder zustande, als die endgültigen Kriterien erst nach der Bewerbung aufgestellt wurden.

    1. Es gab beim letzten Bewerbungsverfahren eine ausführliche und aussagekräftige Ausschreibung, die der Gemeinde vorgestellt wurde und vom zuständigen Ältestenkeis beschlossen wurde. Sie war auch Grundlage für die Entscheidung des Ältestenkreises im Bewerbungsverfahren selbst. Es trifft nicht zu, dass irgendwelche Kriterien erst im Nachhinein in das Verfahren eingebracht wurden.

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