Versammelt um den Altar – nach 100 Jahren

Der Ältestenkreis machte am Montag den 28. März einen Probelauf für die anstehenden  Baustellenführungen in der Friedenskirche (Termine hier im Blog). Vor dem Portal der Kirche führte Lothar Bauerochse ein in die Renovierung und den Ablauf des Baustellenrundganges mit anschließender Andacht. Auch Sicherheitshinweise dürfen nicht fehlen, denn wir betreten eine Baustelle. Aus diesem Grund sind einige Teile der Kirche abgesperrt, damit niemand zu Schaden kommt.

Dann betreten wir endlich die Kirche. Seit vier Jahren planen wir, seit zehn Jahren denken wir über die neue Friedenskirche nach. Nun ist es soweit, wir blicken ca. ein Jahr in die Zukunft. Und was wir sehen ist hochspannend, trotz der provisorischen Einrichtung mit grobem Sperrholz und den noch winterlichen Temperaturen.

Es beginnt am Haupteingang: Der Windfang ist weg und gibt den Blick frei auf das Kirchenfenster über dem Eingang, das unsere katholische Schwesterkirche St. Vitus zeigt. Bisher verdeckte dies der Windfang.

In die ersten Deckenbögen wird ein neuer Windfang aus Glas eingebaut werden. Dadurch wird der Eingangsbereich offen und hell – einladend. Die Kälte bleibt draussen.

Die nächste Station ist der Andachtsbereich, links unter der Westempore. Eine schlichte weiße Platte mit einer großen Kerze deutet dies an.

Natürlich fällt der Blick bereits am Eingang auf das Mittelschiff, wo zuerst der (angedeutete) Taufstein, dann die Altarinsel mit Altar und die weinbergartige Stufenanlage mit der (ebenfalls angedeuteten Kanzel) und schließlich die hinter einer Holzwand geschützte Orgel in einer Linie zu sehen sind. Diese Linie nimmt Taufe, den Tisch des Herrn, das Wort Gottes und Kirchenmusik in einheitlicher Weise auf. Damit erinnert sie an die ursprüngliche Konzeption Behaghels, der – bis auf den Taufstein – die ursprüngliche Friedenskirche ebenso gestaltete.

‚Ist sie nicht ein bisschen dominant, die Stufenanlage?‘ ‚Sind das wirklich nur 40 Sitzplätze weniger?‘ So schoss es wohl manchem durch den Kopf während der ersten Minuten des Rundganges. Nein, sie ist noch nicht gewohnt, sie will entdeckt und ‚besetzt‘ werden, die neue Friedenskirche.

Nach ausgiebigem Rundgang auf allen Stufen und im gesamten Mittelschiff (die Seitenschiffe sind aus Sicherheitsgründen abgesperrt) versammelten wir uns zur Baustellenandacht. Dies war der erste Gottesdienst in der neuen Friedenskirche! 100 Jahre nach deren Fertigstellung versammelt sich die Gemeinde erstmals um den Tisch des Herrn. Kerzen werden entzündet, eine Solistin singt – stehend auf einer der Stufen – ein schlichtes Abendlied. Gebete, Lieder, Meditation. Und auf einmal nehmen ich wahr was sich verändert hat: Die Gemeinde sieht einander an – im Blick auf den Altar! Wir sitzen um den Tisch des Herrn. Die Kirche hat ihre Mitte gefunden.

Die Lampen im Mittelschiff leuchten die Decke an. Durch das indirekte Licht wird die Decke nun deutlich wahrnehmbar. Und, ich kann es nicht anders sagen, denn genau das empfinde ich, trotz Kälte und Baustelle, in dieser Kirche fühle ich mich jetzt schon heimisch. Mehr als in den letzten 10 Jahren.

Nehmen Sie die Baustellenführungen wahr! Kommen Sie ohne Vorurteile. Die Kirche will er-lebt werden. Ich kann Ihnen sagen, es lohnt sich!

Und – schauen Sie mal noch oben. Haben Sie die Decke jemals so deutlich wahrgenommen?

5 Kommentare zu „Versammelt um den Altar – nach 100 Jahren

  1. Schon beeindruckend, wenn auch noch Fragen offen bleiben….

    Seitens des Chores hatten wir nun ausgiebig Gelegenheit, den neuen Kircheninnenraum und das Modell der Stufenanlage in Augenschein zu nehmen. Vorweg geschickt: Ich bin vom Ergebnis sehr angetan, mir persönlich gefällt die Stufenanlage, so wie sie sich nun im Modell präsentiert, gut.

    Die Raumwirkung insgesamt ist schon beeindruckend positiv, ebenso die Akustik in der (noch) leeren Kirche. Auch dass der Altar nun im Mittelpunkt steht, fühlt sich (für mich)ebenso gut an, wieder Platz für stille Andachten.

    Bisher hatte ich das so genannte liturgische Konzept eher unter der Schublade „Präsentationsrhetorik“ abgelegt- jetzt finde ich das Ergebnis überzeugend. Die Ausrichtung auf die Mitte des Kirchenraumes und den Altar hin gibt der Kirche eine ganz neue Ausstrahlung. Auch wenn vieles am Raumeindruck nicht durch die Stufen verursacht wird, sondern schon alleine durch die Lichtwirkung, der positive Eindruck bleibt- auch beim zweiten Hinsehen und der zweiten Begehung. Die versetzten Treppenstufen nehmen der Anlage etwas von der monumentalen Wirkung- insgesamt wirkt das Ganze nun auf mich einladend, fast bin ich geneigt zu sagen: „Gottseidank“.

    Es bleiben Fragen zum Detail, wie:

    Sicht des Altars

    Wie kann man erreichen, dass der Altar besser gesehen wird? Von der Mittelempore aussieht man davon nix, von der linken Seitenempore mit Mühe und von der rechten wohl kaum etwas.

    Vielleicht ist das ja nicht so schlimm- nur an den hohen Festtagen und zu
    besonderen Anlässen, wie Konfirmation, Erntedank oder Veranstaltungen sind die Emporen voll belegt- vielleicht kann man aber noch was verbessern? –z.B. den Altar etwas weiter zu den Stufen rücken und/oder etwas schmaler gestalten?

    Standpunkt des Kreuzes

    Ich kann mir bisher noch keinen guten Platz für das Kreuz vorstellen, vielleicht zentral am Beginn der Orgelempore oder- wie man es in norddeutschen Domen oft sieht- doch von der Decke abgehängt?

    Raumwirkung

    Eines finde ich am Modell irreführend, auch wenn es zur Zeit aus baulichen Gründen unvermeidbar zu sein scheint: Das jetzt zu besichtigende Holzmodell stellt lediglich rund 60 Prozent der später wahrnehmbaren Anlage dar, die restlichen Stufen oben im Orgelraum lassen sich z.Zt. wohl nicht im Modell simulieren. (zur Gesamtlänge: siehe Querschnittzeichnungen im Internetauftritt) Sind die restlichen Stufen dann aber ausgeführt, so wird die Stufenanlage doch deutlich mächtiger wirken als im jetzigen Modell.

    Hierzu würde ich mir für die Gemeindeversammlung zumindest eine Computer-simulation wünschen, gesehen aus dem Blickpunkt der Gemeinde im unteren Kirchenraum. Das ist ein wesentliches Kriterium zur sachlichen Beurteilung.

    Material

    In diesem Zusammenhang eine weitere Frage: Frau Dr. Meyer sprach bei ihrer Führung des Kirchenchores davon, dass die Stufen aus Holz gefertigt würden, der Hohlraum würde als Lager für die Stühle genutzt.

    Herr Dr. Bauerochse hingegen sagte, die Stufen seien aus Sichtbeton. Letzteres kann ich mir- auch im Hinblick darauf, dass die Anlage wohl deutlich mächtiger ausfallen wird als im Modell simuliert (wie oben beschrieben)- eher nicht so gut vorstellen. Wie flexibel ist in diesem Punkt die Planung?

    Als letzte offene Frage meinerseits zu den baulichen Dingen: Weniger gelungen finde ich die Nischen, die sich durch die Türöffnungen ergeben, gibt es da nicht andere Lösungen? Müssen diese Türöffnungen wirklich sein?

    Was mich im Moment darüber hinaus beschäftigt:

    Ich kann die Freude vieler Befürworter über das Ergebnis nach all den Auseinandersetzungen gut verstehen, aber: Ist es nicht angemessener, sich dabei vor Augen zu führen, dass das Ergebnis für viele Gemeindemitglieder einen schmerzlichen Verlust ihres über Jahrzehnte vertrauten Kirchenraumes bedeutet- die Kirche wird so in ihrer Gesamtwirkung eine völlig andere werden als die bekannte und geliebte Friedenskirche es denn vorher war.

    Davon einmal abgesehen hat sich bei der demokratischen Willensbildung rund um das Thema Stufenanlage meiner Meinung nach niemand groß mit Ruhm bekleckert, weshalb Euphorie schon aus diesem Grund fehl am Platz ist.

    Auf mich wirken solche Meinungsbekundungen, auch wenn sie hinter vorgehaltener Hand geäußert werden, ebenso unangenehm wie laute Missfallenskundgebungen
    bei den Präsentationen.
    Vor der Gemeinde liegt ja noch eine Gemeindeversammlung, die sachlich und organisatorisch erst einmal bewältigt werden will. Dazu wünsche ich mir, dass dort neben der Diskussion zur Grundsatzentscheidung auch die Zeit für die Behandlung
    offener Fragen bleibt.

  2. S e n s a t i o n e l l !
    Ich war jetzt mehrfach bei den Baustellenführungen dabei und bin wirklich überwältigt.
    Die Baustellenführungen sind sehr gut vorbereitet – Hr. Dr. Bauerochse durchlebt jedes Mal seinen persönlichen „Stresstest“, den er mehr als bravurös besteht. Die Baustellenführungen bieten ausreichend Zeit, den Raum selbst zu erkunden und werden durch eine – mit Liebe zum Detail gehaltenen Andacht, sowie meist muskilalische Umrahmung abgerundet. Wenn man es zulässt, kann man so die vielen Möglichkeiten, die dieses neue Konzept beeinhaltet erahnen – einen wunderbaren Eindruck bekommen. Aber man muss es zulassen können und sollte sich nicht verweigern und die Baustellenführung zu Beginn der Andacht verlassen.
    Am vergangenen Mittwoch saß das Ensemble „Amaryllis“ bei Singpausen auf den Treppenstufen und bildeten so gemeinsam mit der anwesenden Gemeinde einen Kreis um den Altar. Die Gruppe war so für mich ein geschlossenes Ganzes. Bedenken, das Sitzen auf den Stufen könnte „unanständig“ aussehen, würde Unruhe erzeugen, man würde sich dann präsentieren etc., kann ich nicht bestätigen.
    Sehr beeindruckt bin ich 1. von der Wandgestaltung, bei der teilweise die tollen Kacheln wieder freigelegt werden und 2. von einem Blick nach oben – noch nie zuvor habe ich die wunderbare Deckenstruktur wahrgenommen, die man jetzt von der Mitte aus sehen kann.

  3. Die Rhein-Neckar-Zeitung hat in ihrer heutigen (5. April) Ausgabe von der letzten Baustellenführung berichtet. Es wurde dort eine Stimme eines Besuchers wiedergegeben, der sich beklagte, dass auf der Webseite zur Kirchenrenovierung zensiert würde wie weiland in der DDR. Dazu möchte ich sagen:
    – Der Vergleich mit der DDR ist ebenso geschmacklos wie dümmlich.
    – Da die Webseite ausschliesslich Inhalte des Gesamtältestenkreises veröffentlicht, kann schlechterdings gar nicht zensiert werden.
    – Dieser öffentliche dagegen Blog hat bisher jeden (jeden!) Kommentar unverändert veröffentlicht. Die Initiativen haben dem Ältestenkreis diese Offenheit bisher verweigert.
    – Der Gesamtältestenkreis möchte mit der Webseite informieren. Ebensowenig wie dort den Initiativen ein Forum geboten wird, werden die Initiativen sich wohl bereit erklären, Erklärungen des Ältestenkreises auf ihren Flugblättern zu verteilen.

    Dertig dumme Kommentare in der Zeitung zu äußern sollte zuküntig unterbleiben – nicht nur den politisch Verfolgten in der DDR wegen.

  4. Seit 19 Jahren bin ich Gemeindemitglied in Handschuhsheim. Von Anfang an haben mich das Gemeindeleben, die vielfältigen Gottesdienste und die Kirchenmusik dort sehr angesprochen. Der Kirchenraum dagegen war mir immer fremd, kein Chor war zu sehen, keine Krippe an Weihnachten, zum Abendmahl stand man immer gequetscht auf den Altarstufen oder musste mehrere Durchgänge in den Gängen wartend stehen.
    Trotzdem bin ich, auch nach meinem Wegzug aus Handschuhsheim, dort Gemeindemitglied geblieben, denn die oben genannten Gründe sprachen dafür.
    Gestern nun die Erleuchtung bei der Baustellenandacht. Der Posaunenchor gut sichtbar auf der Stufenanlage (und erst der Blick von der Stufenanlage in den Kirchenraum!). Die Bläser, die ich ansprach, sagten, dass sie sich auf der Stufenanlage wohl fühlten, dass sie genug Platz hätten und vor allem, dass sie in den Kirchenraum musizieren würden und nicht, wie früher, gefühlsmäßig gegen eine Wand. Alle anderen Ausführenden waren auch ohne Mikro sehr gut zu hören, ich konnte die Gesichter anderer Gemeindemitglieder sehen. Ich fühlte mich während der Andacht, genauso wie Herr Horch, mehr aufgehoben als die 19 Jahre zuvor.
    Kein Verständnis habe ich für das Verhalten einiger Umbaugegner. Nicht nur wurde Herrn Bauerochses Führung ständig durch Kommentare gestört, so dass einige interessierte Teilnehmer deutlich um Ruhe bitten mussten. Auch während der Eröffnungsmusik der Andacht durch den Posaunenchor wurde noch heftigst im Hintergrund debattiert, was den Ablauf sehr störte. Als die Andacht richtig begann, verließen diese Personen dann demonstrativ den Kirchenraum. Wie können sich diese Umbaugegner nun ein eigenes Bild vom liturgischen Ablauf des Gottesdienstes bzw. einer Andacht in der neuen Friedenskirche machen?
    Ich habe 19 Jahre den für mich nicht stimmigen Kirchenraum akzeptiert. Schade, dass dies andere nicht einmal für eine (Baustellen-) Andacht versuchen.

  5. Kirche erleben.
    Ich freue mich am 10. April bei der Kirchenführung einen ersten Eindruck von der neuen Friedenskirche zu bekommen. Der Bericht zum ersten Gottesdienst in der neuen Friedenskirche hat meine Spannung noch weiter erhöht! Die neue geplante Offenheit und Weite ist auf den Bildern schon wunderbar zu erkennen. So soll Kirche sein: Einladend, weit und mit einem unverstellten Blick auf die wesentlichen Elemente: Taufstein, Altar, Kanzel und Orgel.
    Die intensiven inhaltlichen Diskussionen und die gute Vorbereitung finden jetzt ihren Lohn: Eine neue Kirche für eine tolle Gemeinde! Herzlichen Glückwunsch.

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