Podiumsdiskussion: Wie geht es weiter mit dem Handschuhsheimer Feld?

Handschuhsheimer wollen ihr Feld schützen

Das Evangelische Forum Handschuhsheim lud ein-und gut 250 Gäste kamen zur Podiumsdiskussion mit dem Untertitel: „Spitzengemüse und Spitzenforschung“ ins Gemeindehaus der Friedensgemeinde.

Hervoragend besetzt präsentierte sich das Podium: Seitens der Universität vertrat Prof. Frauke Melchior, Dekanin der Fakultät für Biowissenschaften, den erkrankten Prof. Dr. Peter Meusburger, Gärtnermeister Jürgen Grieser brachte die Interessen der Gemüsebauern auf den Punkt, Wissenschaftsministerin Theresia Bauer forderte Mut zu neuen Lösungen ein, Dr. Micha Hörnle, Chef der Lokalredaktion der RNZ moderierte souverän, Birgit Müller-Reiss vom Bündnis für Bürgerbeteiligung erklärte die Abläufe des Masterplan-Prozesses und Robert Bechtel vom Verein für Feldkultur und ehemaliger Stadtplaner rollte die Planungsgeschichte zum „Feld“ seit den frühen 60er Jahren kundig auf.

Dort, wo die Universität für den erfolgreichen Forschungscampus Neuenheimer Feld Bauflächen sucht, um „Weltspitze“ bei der Forschung bleiben zu können, befindet sich mit dem 200 Hektar großen Handschuhsheimer Feld seit Jahrhunderten ein bedeutendes Gemüseanbaugebiet, das 20 Haupt- und Nebenerwerbsbauern zum Nutzen aller Heidelberger bearbeiten. Spitzenforschung trifft also auf Spitzengemüse, noch dazu an einem Ort, der als ökologisch wertvolle Fläche ebenso unverzichtbar ist wie als Naherholungsgebiet.

Handschuhsheimer wollen ihr Feld schützen

Während Prof. Frauke Melchior schlüssig darlegte, dass eine der Bedingungen für erfolgreiche „Life Sciences“ im Neuenheimer Feld eben in den kurzen Wegen, damit verbunden dem lebendigen Erfahrungsaustausch zwischen Forschungsdisziplinen und der effizienten Nutzung der vorhandenden, oft immens teuren Gerätschaften liege, fragten kritische Stimme nach, ob Spitzenforschung nicht auch dann zu bewerkstelligen sei, wenn dazu im Stadtgebiet auch andere Standorte mitgenutzt würden.

Die Gärtner und das Bündnis für Bürgerbeteiligung verwiesen darauf, dass die ursprüngliche Anbaufläche in Handschuhsheim-Neuenheim durch den Campus und den Technologiepark seit den 60ern bereits stark verkleinert wurde und dessen Ausdehnung über den Klausenpfad hinaus die Lebensperspektive für das ganze „Feld“ infrage stellen würde. „Auch wir Gärtner brauchen Planungssicherheit“ hieß es, wie solle man denn sonst seinen Kindern anraten, als zukünftige Agraringenieure den elterlichen Betrieb zu übernehmen?

Robert Bechtel und etliche Zuhörer wiesen darauf hin, dass bei der Flächen im Campus die Potenziale bei Gebäudehöhe und Flächennutzung noch lange nicht ausgeschöpft seien. Schließlich sei es auch an der Uni, dazu eine belastbare Planung auf den Weg zu bringen, bevor neue Flächen ins Auge gefasst werden sollten.

Auch Prof. Frauke Melchior sah an diesem Punkt Bedarf nachzujustieren, nicht ohne anzufügen, dass die Universität in dieser Sache daran gebunden sei, sich mit dem Land abzustimmen. Dies sei mitunter ineffizient und verursache Investitionsstaus, Mittel könnten deswegen nicht zeitnah abgerufen werden.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer appelierte daran, sich nicht in festgefügten Positionen zu verschanzen, sondern neue Fragestellungen zu formulieren, beim Finden der notwendigen Antworten sei dann auch die Wissenschaft mit am Zuge. Manche in der Zuhörerschaft taten ihre Meinung kund, dass das Thema Ökologie bei der Gesamtbetrachtung der Lage „im Feld“ viel zu kurz komme.

Handschuhsheimer wollen ihr Feld schützen

Handschuhsheimer wollen ihr Feld schützen

Jürgen Grieser sagte es abschließend so: „Den Quadratmeter Boden, den wir hier bewirtschaften gibt es genau einmal. Wir können nicht zwei daraus machen. Wenn er einmal verbaut worden ist, ist er unwiderbringlich verloren“.

In ihrem Schlußwort rief Birgit Müller-Reiß alle Anwesenden dazu auf, sich so engagiert wie an diesem Abend auch zukünftig am Masterplan-Prozess zu beteiligen. Davon wird man nach der gezeigten Beteiligung in Handschuhsheim eigentlich ausgehen können.

Fazit: Es war eine emotionale, engagierte, aber auch sachlich geführte Diskussion, wofür das Evangelische Forum Handschuhsheim als Veranstalter allen Teilnehmer*innen  herzlich danken möchte.

Handschuhsheimer wollen ihr Feld schützen

Und: Es zeigte sich, dass es ein guter Ansatz sein kann, solch „heiße Themen“ sozusagen auf neutralem Boden und auf Einladung des Evangelischen Forums Handschuhsheim miteinander zu diskutieren.

Handschuhsheimer wollen ihr Feld schützen

Handschuhsheimer wollen ihr Feld schützen

Handschuhsheimer wollen ihr Feld schützen

Seitens des Verfassers noch ein sehr herzlicher Dank zwei Personen:

Dem Pressefotografen Philipp Rothe, der uns die Bilder zu diesem Artikel kostenlos zur Verfügung stellte sowie dem stillen Star der Veranstaltung, der das schwächelnde Mischpult der Mikrofonanlage in bewundernswerter Coolness „heilen“ konnte:  Dem Saxophonisten und Tontechniker Leslie Mussell.

Ein weiterer Hinweis: Ein ausführlicher Zeitungsartikel der RNZ zur Veranstaltung sowie den weiteren Hintergründen findet sich im Internet unter:

https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-keiner-will-das-feld-raeumen-hitzige-diskussion-ueber-zukunft-des-handschuhsheimer-feldes-_arid,315299.html

 

Helmut Brodt

 

 

 

 

 

 

 

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