Ein Weinberg

Viel ist geschrieben worden in den letzten Jahren über die ‚Stufenanlage‘ in der neuen Friedenskirche. Sie wurde schon viel geheissen: Treppe, Chortreppe und was nicht noch alles.

Dabei wurde nur von Wenigen wirklich wahrgenommen welche starken Veränderungen der ursprüngliche Entwurf aus dem Jahr 2007 inzwischen erfahren hat. Die Predigtkanzel wurde von der Seite (wieder) in der Mittelachse vorgesehen. Dass aber die Stufenanlage selbst über die vielen Monate der Planung, Schlichtungen und Diskussionen viele Veränderungen erfahren hat ist weniger bekannt.

Dieser Prozess hat letztlich zur starken Geschlossenheit der großen Mehrheit des Ältestenkreises geführt. Diese Geschlossenheit war für uns anfangs nicht selbstverständlich. Leider haben große Teile derjenigen, die uns heute laut kritisieren diese Veränderungen nicht merklich wahrgenommen, noch konstruktiv mit uns diskutieren wollen.

Was aber wichtiger ist: Der Entwurf wie er heute vorliegt und in wenigen Wochen der Gemeinde als 1:1 Modell vorgestellt werden wird, ist mitnichten eine Treppe! Ausser vielleicht in dem Sinne, dass man natürlich (auch) auf ihr eine Höhe überwinden kann. Ein weitaus besseres Bild der so inzwischen veränderten Stufenanlage ist das des Weinbergs.

Nicht nur bildlich, sondern auch biblisch ist dies ein wunderbares Bild: Die Gemeinde blickt gleichsam auf den Weinberg Gottes. Gibt es ein besseres Bild in einer Landschaft, die auch stark vom Weinbau geprägt ist?

Sehen Sie selbst.


4 Kommentare zu „Ein Weinberg

  1. Hallo Herr Schäfer,

    Ich möchte Ihren Überlegungen beipflichten, denn mir geht seit jeher ähnliches durch den Kopf. Dabei sind ästhetische und praktische Erwägungen ganz nah beieinander. Eine konkave Form würde einem Chor hilfreich sein, man hört sich gegenseitig besser, der Klang mischt sich besser. Die Stufen, die auch den vielen Kindern eine Bühne geben soll, scheinen mir aber für Aufführende, die ihre Sache im Kopf haben, wirklich eine gefährliche „Plattform“ zu sein. Ich hätte hier große Sorgen. Die versetzten Stufen mögen netter anzuschauen sein, der Sicherheit sind sie nicht sehr dienlich, auch hier finde Ihre Überlegungen wichtig.
    Der enorme Platzbedarf der Stufenanlage und der Verlust an etlichen Plätzen im offenen Kirchenschiff wird von vielen bedauert und gerade bei Konzerten sehr vermißt werden. Und wenn ein kleineres Ensemble mit weniger Musikern gastiert, wäre man froh, hier flexibler sein zu können.

    Nochmal zurück zum Bild des Weinbergs: die Wege in einem solchen wären doch wohl hautnah der vorgegebenen Topographie angepasst, dann wenigstens an die Rundung des Chorraumes angelehnt und nicht so scharf seitlich abgeschnitten. Nun, im jetzigen Modell ist das sicher der Zugänglichkeit der Türen geschuldet.
    Jedenfalls vielen Dank für Ihren Beitrag.
    Freundliche Grüße,
    Birgit Roß

  2. Also ich kann den Vergleich mit einem Weinberg nicht nachvollziehen. Solche komischen Stufen, wo man von links nach rechts auf über Eck versetzten Absätzen nach oben laufen soll, habe ich in einem Weinberg noch nicht gesehen. Das wäre für eine Weinbergtreppe auch viel zu gefährlich; auf ihr musste man doch mit der schweren Ernte auf dem Rücken laufen können!

    Das könnte für Euch auch zu einem Problem werden: Wenn da jemand stürzt, … – Für ältere Leute – und an die muss man bei einem Kirchenumbau ja auch denken, oder? – eine echte Gefahr, wenn die im Kirchenchor singen wollen. Gerade hochgehen wird man die Hauptstufen, wenn ich das richtig verstanden habe, wegen ihrer Höhe ja wohl nicht richtig können.

    Diese Verschachtelung der Stufen auf unterschiedlichen Höhen ist aber auch echt unpraktisch. Ich lese hier so viel von tollen Konzerten, die in Eurer Kirche aufgeführt werden sollen. Einen Chor wird man auf diese verschachtelten Stufen vielleicht noch stellen können. Wo soll denn da aber ein Orchester hin? Irgendwo habe ich hier gelesen, dass die Stufen 80cm breit sein sollen und da könnte ein Cellist sitzen. Das stimmt nicht, ein Cellospieler braucht mehr Platz: ich schätze 40-45cm Sitzfläche, davor das Cello, die Beine, davor der Stachel, davor Platz für den Bogen, davor der Notenstände usw. Jetzt stelle man sich auch noch mal eine Reihe von Geigern auf dieser Treppe vor, vielleicht auch noch einmal eine Harfe, einen Kontrabass, eine Reihe von Pauken… Also ich glaub‘ nicht, dass das passt. Dabei muss man bedenken, dass Orchestermusiker ja normaler Weise im Halbkreis sitzen und hier säßen sie aufgereiht nebeneinander, aber in unterschiedlichen Höhen. Also, eine Konzertkirche könnte man das meiner Meinung nach wirklich nicht nennen, unabhängig davon, dass man durch die ganze Anlage – was man auch mal bedenken muss – ja die besten (und am teuersten verkaufbaren) Sitzplätze im Publikum verliert.

    Für Konzerte wäre es sicher am besten, den Platz hinter dem in die Mitte gerückten Altar freizulassen und bei Bedarf mit den üblichen Podesten zu arbeiten.

    Wenn Ihr aber eine Stufenanlage wollt, ist meine Empfehlung, lasst auf jeden Fall diese komische und unpraktische Verschachtelung der Hauptstufen weg, sondern lasst die Stufen durchgängig in derselben Ebene, alles andere ist unpraktisch.

    Macht auch vielleicht keine ganz gerade Treppe nach oben, sondern führt sie (orchestermäßig) in einer konkaven Rundung oder Abschrägung Richtung Gemeinde, bei dem Krümmungsgrad könnte man sich an den beiden schrägen Chorwänden orientieren. Macht kleine Zwischenstufen zum Hoch- und Runtergehen richtig untereinander, damit man da auch richtig laufen kann. Man könnte diese Zwischenstufentreppe am einfachten am Rand mit einem Geländer anlegen. Schöner und für den Prediger besser wäre es, die Zwischenstufentreppe in der Mitte anzusetzen bis kurz unterhalb der Kanzel, sie dann auf beiden Seiten um die Kanzel herum laufen lassen und oberhalb wieder zusammenführen. Auf diese Weise, könnte man sagen, wäre die Kanzel als Ort der Verkündigung des Worts von einer Art Mandorla umgeben, dass sähe vielleicht nicht schlecht aus – und hätte sogar noch einen gewissen theologisch-kunsthistorischen Tiefgang.

    Viel Spaß noch bei den Diskussionen!

    1. Lieber Herr Schäfer,
      vielen Dank für die Anregungen. Erlauben Sie – wenn auch mit einiger Verspätung – dazu ein paar Anmerkungen.
      Zunächst mal ganz grundsätzlich: Die Stufenanlage ist kein „Verkehrsweg“ zwischen Kirchenraum und Empore. Sie ist Ort der Kanzel, ist liturgischer Ort.
      Das heißt ganz konkret: Die einzigen, die sich auf dieser Stufenanlage bewegen, sind die liturgisch Mitwirkenden, also die Pfarrer, die zur Kanzel schreiten und die Lektoren. Niemand soll die Stufenanlage nutzen, um mal eben schnell von oben nach unten zu laufen oder umgekehrt.
      Im Blick auf Mitwirkende an der Kirchenmusik gilt: Entweder sie sind (wie bisher) auf der Orgelempore tätig, wie z.B. der Kirchenchor. Dann werden all diese Sängerinnen und Sänger ganz genau wie bisher über das Treppenhaus (nicht die Stufenanlage!) die Orgelempore erreichen, dort auf Stühlen Platz nehmen, sich zu ihrem Einsatz aufstellen und anschließend wieder hinsetzen. Das fand bisher alles auch auf Stufen statt. Und es ist m.W. bisher niemand zu Schaden gekommen. Dass dazu Treppensteigen notwendig ist, war in den vergangenen 100 Jahren nie Grund zur Klage.
      Neu ist, dass evtl. ein Chor von unten auftreten kann. Dann werden die Sänger ein, zwei oder drei Stufen „besetzen“ und dazu ganz normal auf- und abtreten, wie schon bisher bei zahllosen Konzerten. Auch dabei ist bislang niemand zu Schaden gekommen – obwohl wir in den letzten Jahrzehnten in der Friedenskirche in der Regel schauerliche(!) Podestkonstruktionen hatten mit allen möglichen Fallgruben und Absturzmöglichkeiten.
      Das alles wird in Zukunft sehr bequem und sicher ablaufen.
      Das hängt aber auch mit den Maßen der Stufen zusammen. Die Zahl 80cm ist hier leider fälschlich hineingekommen. Tatsächlich gibt es standardmäßig ein Maß für eine sog. „Orchesterstufe“. Das liegt bei 120 cm Tiefe und 45 cm Höhe. An diesem Maß orientieren sich die Stufen in der neuen Friedenskirche. Sie sind 112 cm tief und 42 cm hoch. Das heißt: Ganz viel Platz um sich sicher zu bewegen. Und ausreichend Platz für Orchestermusiker.
      Im übrigen: Durch die Altarinsel gehen im EG der Friedenskirche ca. 40 Sitzplätze verloren. Bei rund 1000 Sitzplätzen keine gravierende Zahl.

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